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Großer Feld­berg im Tau­nus

Feld­berg-Aussichtsturm von 1903
Aus­sichts­turm von 1903… Archiv Hansjörg Meister
Feld­berg-Aussichtsturm von 2008
…und 2008 Eigenes Foto

Die Feld­berg-Geschichte
Die Feldberg-Gebäude und ihre Geschichte - Heft Nr. 08 Hansjörg Meister

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Faszination Feld­berg­rennen
Das Feldbergrennen - Heft Nr. 11

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Ereignisdaten der Geschichte des Großen Feld­bergs im Tau­nus

Von Hansjörg Meis­ter, dem Ururenkel des ersten Wirtes des Alten Feld­berg­hauses, Johann Anton Ungeheuer (1821 - 1910)

Vor 400-300 Millionen Jahren

im Zeitalter des Devon, Karbon und Perm, faltete sich bei der Kollision der Urkontinente Gondwana und Laurussia, sowie einiger Kleinkontinente, das gewaltige Variszische Gebirge auf, mehrere tausend Kilometer lang mit vermutlich den höchsten Bergen, die es jemals auf der Erde gab.

Das heutige Deutsch­land wurde auf dem neu ent­standenen Superkontinent Pangäa erstmals vereinigt, denn zuvor war jeweils ein Teil davon auf Gondwana und auf Laurussia. Die Subduktionslinie lag auf Äquatorhöhe, heute läge sie auf dem 50. Breitengrad. Das Rheinische Schiefergebirge mit seiner höchsten Erhebung, dem Großen Feld­berg im Tau­nus, 880,97 Meter über NN, gehört zu den Resten des damaligen Hochgebirges. Da Pangäa vor ca. 150 Mio Jahren in die heute bestehenden Kontinente zerfiel, sind nicht nur in Europa Reste des Variszischen Gebirges zu finden, sondern auch in Asien und Amerika (Appalachen).

Heute ist auf dem Großen Feld­berg neben den Türmen und sonstigen Gebäuden der Brunhildisfelsen aus Tau­nus-Quarzitgestein ein markanter Aussichtspunkt.

500 bis 100 v. Chr. La Téne- oder Eisenzeit

Die Kelten nannten den Großen Feld­berg „Daun“ (oder „Dun“), was so viel wie „die befestigte Anhöhe“ bedeutete. Auf dem Feld­berg-Plateau fehlen jedoch keltische Spuren, doch die Ringwälle (ca. 400 bis 100 v. Chr.) auf dem Altkönig (Helmut Bode: keltisch „alkin“ = Höhe) und das Heidetränke-Oppidum an der „Hohen Mark“ (3. / 2. Jh. v. Chr.) zeugen von ihrer Präsenz im Tau­nus. Die Kelten verließen das Oppidum bereits wieder um die Mitte des 1. Jh. v. Chr., die Gründe dafür sind nicht genau bekannt. Als die Römer im 1. Jahrhundert n. Chr. den Tau­nus besetzten, war die Kelten-Stadt längst verlassen.

Erstes Jahrhundert n. Chr.

Bei Tacitus (58 bis 120 n. Chr.), dem römischen Geschichtsschreiber, hießen unsere Berge bereits „Tau­nus“. Die Einheimischen jedoch, die die Bergkette stets vor Augen hatten, sprachen bis ins 20. Jahrhundert von der „Höhe“. So führten einige Städte und Dörfer diese Zusatzbezeichnung im Namen: Bad Hom­burg vor der Höhe, Rodheim vor der Höhe und Rosbach vor der Höhe.

83 nach Chr.

weitete Kaiser Titus Flavius Domitianus (51 - 96 n. Chr.) das römische Einflussgebiet jenseits des Rheins nach Osten hin. In den von ihm begehrten Gebieten lebten germanische Chattenstämme, im Raum Wies­baden / Tau­nus speziell die Mattiaker, die meist als ein Teilstamm der Chatten beschrieben werden. Möglich ist aber auch, dass es sich um einen an die Chatten tributpflichtigen Keltenstamm handelte. Domitians Truppen eroberten ostrheinische Gebiete in Höhe von Mainz (Mogontiacum), Gebiete im Tau­nus, das Gießener Becken und die gesamte fruchtbare Wetterau.

150 n. Chr.

Der Tau­nus-Wetteraulimes ent­stand. Unterhalb des Kleinen Feld­bergs an der Weilquelle wurde das Feld­berg-Römerkastell gebaut, Größe 78 x 93m. Es wurde von einer ca. 160 Mann starken Aufklärungstruppe, der Exploratio Halicanensium aus Ungarn belegt. Die örtliche Bevölkerung nannte die Reste des Kastells bis ins 20 Jahrhundert „Heidenkirche“.

Der vermutlich erste Turm auf dem Großen Feld­berg war ein römischer Limes-Wachturm,dessen Reste auch heute noch in nordöstlicher Richtung etwas unterhalb des Gipfels zu finden sind.

Die einheimische Bevölkerung nahm allmählich römische Lebensgewohnheiten an.

Es ist meistens leichter, Aussagen über das Leben der keltischen Kultur zu machen, als über das der Germanen. Die Kelten haben uns die Reste des Oppidums bei Ober­ursel und die Steine ihrer Ringwälle im Tau­nus hinterlassen, die Germanen hingegen bevorzugten zum Bau ihrer Häuser vorwiegend vergängliche Materialien wie Lehm und Holz. Holzpfosten hinterlassen zwar Erdverfärbungen, dennoch bleiben nur wenige Belege germanischer Existenz im Tau­nus. Hier sind wir auf die Niederschriften römischer Geschichtsschreiber angewiesen, die allerdings nur die Sicht der Sieger wiedergeben.

3. bis 6.Jahrhundert

Die Franken besiedelten nach dem Niedergang des Weströmischen Reiches ab dem 4. Jh. den Tau­nus. Auch von ihnen konnten keine Spuren im Feld­berg-Gebiet ent­deckt werden, denn auch diese Germanen haben erst um 800 n. Chr. Steinhäuser gebaut.

Durch Dendrochronologie (Baumringdatierung) mit Proben von über 10.000 Eichen aus Schweden, Finnland, Frank­reich, Deutsch­land, Öster­reich, Italien, haben Wissen­schaft­ler her­aus­gefunden, dass das Klima ab 250 n. Chr. verrückt spielte, es war für über 300 Jahre deutlich kälter und die Nieder­schläge waren um 70% höher als zuvor. Man nimmt an, dass diese Klima­änderung die Völker­wanderung von Nord nach Süd ein­leitete und den Nieder­gang des Römischen Reiches beschleunigte. Ganz Europa war in Aufruhr, die germa­ni­schen Völker (Vandalen, Ost- und West­goten, Lango­bar­den und an­de­re) drangen nach Süden vor, suchten neue Sied­lungs­gebiete und nahmen Völkern, die dort gelebt hatten, die Freiheit. Aus dem Osten kamen 375 / 376 die Hunnen und versetzten alle Menschen in Angst und Schrecken. Den Tau­nus dominierten jedoch die Franken.

535 / 536

ließen mehrere Naturereignisse das Erdklima durch Asche- und Staubpartikel in der Atmosphäre für fast hundert Jahre um geschätzte 3-4° sinken: der Ausbruch des Ilopango-Vulkans im heutigen El Salvador, des Proto-Krakatau-Vulkans im heutigen Indonesien und zwei in Erdnähe nördlich von Aus­tra­li­en explodierende Kometen (Kanmare, 18 km Durchmesser, 572 n. Chr., und Tabban, 12 km Durchmesser, 586 n. Chr.). Folge: Ernten blieben aus, die Menschen hungerten, ein Drittel der Europäer starben an der Pest und anderen Seuchen.

575 n. Chr.

wurde der austrasische König Sigibert I (535-575) von seinem Halbbruder und König von Neustrien (Westfrankenreich) Chilperich I (561-584) und dessen Konkubine Fredegunde ermordet. Um Frede­gunde ehelichen zu können, hatte Chilperich zuvor seine erste Ehefrau ermorden lassen.

Thronfolger für Austrasien (Ostfrankenreich, Hauptstadt Metz!) war Sigiberts Sohn Childebert II (570-596). Da der Junge zum Zeitpunkt der Thronbesteigung erst fünf Jahre alt war, führte die Ehefrau Sigiberts Brunichildis die Regierungsgeschäfte. Childebert starb 596 plötzlich. Mord? Nun war dessen Sohn Theudebert II (585-612) dran, auch erst elf Jahre alt, Brunichildis führ­te weiter­hin die Regie­rungs­geschäfte. Ihr netter Enkel ermordete indes seine erste Frau Bilichildis eigen­händig, um Teudechilde heiraten zu können. Deren Sohn Merowech wurde als Säugling 612 von Vaters Feinden umgebracht. Theudebert II und zwei seiner Söhne wurden 612 von seinem jüngeren Bruder Theuderich II (587-613), König von Burgund, ermordet. Nur ein Jahr regierte er von Metz aus über Burgund und Austrasien, dann starb er über­raschend im Alter von 25 Jahren. Brunichildis erhob ihren Urenkel Sigibert II. (602-613), den ältesten Sohn Theuderichs auf den Königsthron Austrasiens. Das veranlasste Chlothar II (584-630) von Neustrien (Westfranken), den 11-jährigen Jungen und dessen Bruder ermorden zu lassen. Wenige Wochen später ließ er auch Brunichildis (548-613) gefangen nehmen und von einem Pferd zu Tode schleifen. Nicht einmal Raymond Chandler oder Edgar Allen Poe hätten sich eine solche Kriminalgeschichte ausdenken können, keiner der Männer hat das 45ste Lebensjahr erreicht. Und für alle hat Brunichildis die Regierungsgeschäfte geführt: für Ehemann, Sohn, Enkel und Urenkel. Und was hat nun dieser Kriminalfall vor 1400 Jahren mit dem Großen Feld­berg zu tun? Austrasien (Ostfranken) mit der Hauptstadt Metz reichte damals von dem heutigen Utrecht im Norden bis Basel im Süden und von Ostende im Westen bis Kulmbach am Frankenwald. Der Große Feld­berg im Tau­nus lag mittendrin.

Durch den gewaltsamen Tod der Brunichildis, bildeten sich rasch Legenden um sie. Sie wurde zur mythologischen Gestalt, der man allerlei Wunderdinge zusprach. Viele glauben, dass die Brunhild der Nibelungensage Vorlage und Verkörperung von Macht, Tod und Mythos der Brunichildis ist und dass sie auch die Vorlage zur Brunhildis-Sage ist: Nicht hinter Rosensträuchern wie Dornröschen, sondern hinter einer Flammenwand schläft die Walküre hier auf ihrem Brunhildisfelsen auf dem Feld­berg-Plateau bis der Held Sigurd sie erweckt.

Wir über­springen ein paar Jahrhunderte.

1043

wurden in einer Urkunde des Erzbischofs Bardo von Mainz der Feld­berg (veltperg) und der Brunhildisfelsen (lectulus Brunhildae / das Bett der Brunhilde) erwähnt. Veltperg, Nantosvelta! Nantosvelta nannten die Kelten eine ihrer Göttinen. Man weiß, dass sie an besonderen Orten (Bäumen, Felsen, Quellen) ihre Götter verehrten. Warum also nicht auch hier oben auf dem Berg mit seinem Quarzit-Felsen.

Eine weitere Möglichkeit: Graslandschaften in Südafrika heißen „Veld“ (aus dem Niederländischen).

Brunhildisfelsen
Der Brunhildisfelsen aus Tau­nus-Quarzit

1205

Ab diesem Jahr hätte man vom Brunhildisfelsen aus den Baubeginn der Reiffenberger Burg beobachten können. Mit Cuno von Reiffenberg ent­stand die Herrschaft Reiffenberg, die bis

1667

bestand. Während seine Truppen die Burgen Reiffenberg und Hattstein besetzten, ließ der Mainzer Erzbischof den letzten Reiffenberger Ritter Philipp Ludwig in Würz­burg gefangen nehmen und zunächst auf der Festung Marienburg, später auf der Burg König­stein, einkerkern. Philipp Ludwig von Reiffenberg starb 1686 nach 18-jähriger Kriegsgefangenschaft. Sein Schwa­ger Graf von Bassen­heim über­nahm den Besitz.

1730

wurden die sterblichen Überreste des Ritters Philipp Ludwig in die 1710 erbaute Heilig-Kreuz-Kapelle in Ober­reifen­berg über­führt.

1342, 19. - 22. Juli: Das Magdalenen-Hochwasser

war das verheerendste des Jahrtausends. Zehntausenden Menschen in den heutigen Gebieten Deutsch­lands, der Schweiz und Tschechiens hat die Katastrophe das Leben gekostet. In der Terra X-Sendung „Der Rhein“, Teil 2 wurde doku­men­tiert, wie sehr gerade der Tau­nus betroffen war. Auf wochenlange Trockenheit folgte der sint­flut­artige Dauer­regen vom 19. bis 22. Juli 1342. Das Wasser riss riesige Mengen an fruchtbarem Ackerland mit. Der Boden wurde bis auf die Felsen ausgewaschen. Menschliches Mitverschulden sehe ich in der Tat­sache, dass in den Jahrhunderten zuvor fast alle Wälder ent­lang des Rheins, des Mains und auch der Moldau gerodet wurden. Wissen­schaftler schätzen, dass 13 Mil­li­ar­den Ton­nen Boden (voll­beladener Güter­zug, dessen Länge 25x um den Erd-Äquator reicht) in den wenigen Tagen der Magda­lenen­flut ver­loren gingen – mehr als ansonsten über Jahr­hunderte.

„Viele Standorte sind besonders in den unteren und mittleren Höhenlagen der Mittelgebirge bis heute nicht mehr ackerbaulich nutzbar. Erst wenn sich in der nächsten Kaltzeit erneut Löss ablagert und in der darauffolgenden Warmzeit neue Böden bilden, könnte hier wieder Bewirtschaftung stattfinden – also in gut 100.000 Jahren“, sagte der Geo­öko­loge Hans-Rudolf Bork in Terra X „Der Rhein“, Teil 2.

„Ein Drittel der gesamten Boden­erosion der letzten 1.500 Jahre vollzog sich in dieser Woche. Manche Dörfer verloren mehr als die Hälfte ihres Ackerlands.“ So steht es in „Spektrum der Wissenschaft“.

Das Wasser des Rheins stand 11,5 m über Normal. Zahllose Brücken wurden weg­gespült, unter anderen in Dres­den, Frank­furt am Main, Würzburg, Bamberg und Prag. Zehn­tausend Täler im Einzugsgebiet des Rheins waren vom sogenannten „Schluchten­reißen“ betroffen. Es war Juli und Ernte­zeit. Das bereits reife Getreide schwamm das Rhein­tal ent­lang. Nach Rückgang des Wassers diente es den Nagern zur Überernährung und zur massen­haften Vermehrung. Die Wander­ratte hatte die Hausratte als Über­träger des Pest­flohs abgelöst.

In vielen Regionen war Ackerbau unmöglich geworden. Missernten und Hungersnöte folgten, die dann die Beulen­pestpandemie von 1346 - 1353 in Mitteleuropa begünstigten, mit 25 Millionen Toten. Ein Drittel der Bevölkerung starb am „Schwarzen Tod“.

In dem Wahn, sie hätten die Brunnen vergiftet, brachte man 1349 in Köln 800 Juden um.

In den kommenden Jahrzehnten gaben viele Bewohner ihre Sied­lungen in den Auen und Mittel­gebirgen auf. Auf einer Taunus­karte von 1675 erkennt man allein zwischen dem „Roten Kreuz“ und Hunoldstal 10 Wüstungen. Wieviele davon auf das Konto der Flut kommen, weiß man nicht. Die Ein­wohner­zahl der Städte wuchs stark an. Und die Menschen stellten zwangsweise ihre Ernährung um: Während zuvor vor allem Getreideprodukte auf dem Speiseplan standen, wandten sie sich nun notgedrungen dem eigentlich teuren Fleisch zu, denn Rinder und Schweine konnten selbst auf zerstörten Äckern und in den sich wieder ausdehnenden Wäldern weiden. Erst im Laufe des 15. Jahr­hun­derts normalisierte sich die Landwirtschaft wieder. (aus Spektrum der Wissenschaft)

1763 (mit Goethe ins Präsens)

besteigt der 14-jährige Goethe mit anderen jungen Leuten aus Frank­furt den Feld­berg. In Dichtung und Wahrheit erwähnt er auch Ausflüge nach Hom­burg, Kronberg (Kroneburg) und König­stein im Tau­nus.

1766

Zur Zeit des Siebenjährigen Krieges herrscht im Tau­nus bittere Armut. Viele Söhne suchen in den Städten nach Erwerbs­möglichkeiten.

1766 wandern ca. 20 Reifenberger Bürger / innen in die Gegend von Astrachan an der Wolga aus. Seit 1722 wirbt Zarin Katharina II Westeuropäer zur Besiedelung russischer Steppengebieten an. Sie verspricht ihnen Land, freie Reli­gions­ausübung, 30 Jahre Steuerfreiheit, Militär­dienst­befreiung und Selbstverwaltung.

1783-84

Dieser Winter, und auch der fol­gen­de 1784-85, sind extrem kalt und schneereich. Im Januar ist es auf dem Großen Feld­berg bis zu -30° Grad Celsius kalt. Im Sommer zuvor war auf Island der Laki-Ausbruch. 15km³ Lava flossen aus der Kraterreihe und verteilte sich auf einer Fläche von 565 km². 120 Mio. Tonnen Schwefeldioxid vergifteten Äcker und Weiden. Auch in Japan brach fast zeitgleich der Asama-Vulkan aus. Für zwei bis drei Jahre verringerte sich durch eine Schwefelgas-Asche-Wolke die Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel der Erde. Die Folge: Missernten in ganz Europa. Jedoch auf den ohnehin kargen Böden des Hochtaunus waren die Ernteausfälle besonders hoch.

18. Okto­ber 1814

An diesem Tag steht Ernst Moritz Arndt (1768 - 1860) auf dem Brunhildisfelsen und hält eine Rede ans Volk. Mehrere Tausend Menschen sind an diesem 18. Okto­ber 1814 auf den Großen Feld­berg gekommen, um dort den ersten Jahrestag des Sieges über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig zu feiern. Am Abend brennen auf dem Feld­berg und auf vielen Tau­nus-Anhöhen Freudenfeuer. Es sind mehrere hundert.

Vor einem Jahr hatten erstmals die größten deutschsprachigen Länder (mit Ausnahme von Sachsen) in einer Allianz mit Russland und Schweden nicht gegeneinander, sondern miteinander gegen einen gemeinsamen Gegner gekämpft. 92.000 Soldaten starben.

Ernst Moritz Arndt 1815
Ernst Moritz Arndt 1815 Aus Helmut Bode: Das Feld­berg-Buch, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1985, ISBN 978‑3‑7829‑0303‑5

1815

Auf dem nun fol­gen­den „Wiener Kongress“ unterzeichnen 41 Fürstentümer und freie deut­sche Städte die Verträge zum „Deut­schen Bund“. Napoleon hat ungewollt erste Anfänge zur Bildung eines deut­schen Staates gefördert. Er hat bei jenen, die gegen ihn kämpfen mussten, Zusammen­gehörigkeits­gefühle geweckt. Allerdings bleiben Neuordnungspläne des Freiherren vom Stein für einen engeren Zusammenschluss der deut­schen Staaten noch unberücksichtigt. Die restriktive Politik des Fürsten Metternich, Minister des Kaiserreichs Öster­reich, sorgt für ein weiteres Jahrhundert der Kleinmonarchien in Deutsch­land. Auch die übrigen europäischen Staaten fallen wieder in alte Alleinherrscherstrukturen zurück. Keine Versammlungsfreiheit, keine Pres­se­freiheit; wenn drei Personen beiein­an­der­stehen, geraten sie unter Verdacht.

Es bleiben die Wanderungen zu Feld­berggipfel, sie sind kontrollierbar, man kennt die Teilnehmer, und man kann frei politisieren.

Arndt, Schriftsteller und später Alterspräsident der Frank­furter Nationalversammlung in der Paulskirche, hofft jetzt, wie eine Reihe anderer Intellektueller, auf eine baldige Ver­einigung der deut­schen Staaten nach Leitsätzen der „Französischen Revolution“ in ihren Anfängen von 1789.

Aber noch wollen die regierenden Fürsten nichts von ihrer Macht abgeben. Wer sich für eine von der Willkür der Fürsten befreite Staatsform einsetzt, der wird verfolgt.

Georg Büchner gründet die „Gesellschaft für Menschenrechte“ und verfasst eine Flugschrift „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ und muss 1835 nach Straßburg fliehen.

1816

ist das „Jahr ohne Sommer“. Der Tambora auf Sumbawa (heute Indonesien) bricht aus, die Auswirkungen ähneln denen der Jahre 1783, 1784. Auch in Europa fällt Ascheregen. Die Durchschnittstemperaturen sinken um fast 4 °C. Wieder Missernten! Die knappen Lebensmittel werden für die nächsten drei Jahrzehnte teurer, wieder hungernde Menschen, eine Aus­wan­derungs­welle nach Nordamerika, Südrussland, Bessarabien, Krim, Georgien und in den Kaukasus ist die Folge. Wissenschaftler schätzen, dass etwa 200.000 Menschen in Europa an den Auswir­kungen der Katastrophe gestorben sind. Genauere schriftliche Aufzeichnungen über die Aus­wirkungen im Tau­nus fehlen.

1832

gehört Hambach bei Neu­stadt an der Weinstraße zum Wittelsbacher Machtraum. König Ludwig I verbietet alle politischen Versammlungen. Deshalb treffen sich 30.000 Menschen zu einem „Volksfest“, dem „Hambacher Fest“. Die Teilnehmer fordern ein vereinigtes Deutsch­land, Freiheit und Demokratie. Was diese Ereignisse mit dem Feld­berg zu tun haben, das lesen Sie bitte weiter unten.

1837

setzt der König von Han­no­ver gleich zu Regierungsbeginn die Verfassung außer Kraft. Jacob Grimm (1785-1863), später Abgeordneter der Frank­furter Nationalversammlung von 1848, ist zu dieser Zeit, wie auch sein Bruder Wilhelm (1786-1859), Professor an der Universität Göttingen. Die Brüder und fünf weitere Professoren werden 1837 ent­lassen und später des Landes verwiesen, als sie einen Protest gegen Ihre Entlassung formulierten und sie als Rechtsbruch bezeichnen. Es ist nicht das letzte Mal, dass deut­sche Intellektuelle aus ihrem Heimatland vertrieben werden.

Man muss die Zeit verstehen, um die fol­gen­den Aktivitäten auf dem Großen Feld­berg verstehen zu können.

20. Januar 1842

Fritz Emminghaus aus Usingen ruft in dem Beiblatt des „Frank­furter Journals“ zum Bau eines Aussichtsturmes auf dem Feld­berg auf. Bereits am 5. Februar 1842 gründen 23 Frank­furter unter ihnen der Verleger August Ravenstein, und zwei Hom­burger eine „Commission für Erbauung eines Hauses auf dem Feld­berg“. Man einigt sich auf ein Haus mit integriertem Turm.

1843

beschreibt der Pfarrer, Dekan und Schulinspektor Christian Daniel Vogel die Aussicht vom Feld­berg in südlicher Richtung wie folgt: Man siehet hier den Rhein wie einen Silberfaden von Straßburg her kommen, den Main kann das Auge bis Aschaffenburg verfolgen, und die ganze herrliche Gegend liegt wie eine Landkarte zu unseren Füßen, auf der man 12 Städte und gegen 100 Dörfer zählen kann. Die durch die Industrialisierung verursachten Schwebstoffe in der Luft haben diesen Ausblick in die Ferne gänzlich zunichte gemacht.

Am 20. Juni 1844

findet auf dem Feld­berg ein Volks- und Turnfest statt. Es werden Gelder für das geplante Feld­berghaus gesammelt. Musik- und Gesangvereine spielen auf, die Jugend von Reifenberg trägt unter der Leitung ihrer Lehrer „schöne Lieder“ vor. Ab 21:30 Uhr ist der Gipfel bengalisch beleuchtet. Wirte aus König­stein, Kronberg, Ober­ursel und Hom­burg bieten Getränke und Bratwurst an, die Festwirtschaft hat Johann Anton Ungeheuer (1821 - 1910) aus Reifenberg über­nommen. Der wichtigste Ideengeber zu alledem ist August Ravenstein.

1845

Das Feld­bergfest wird unter Ravensteins Vorsitz als Turnfest fest installiert, muss aber

1848 / 49

muss wegen der Reaktion des herrschenden Adels auf das Bestreben des Paulskirchen-Parlaments in Frank­furt, aus den vielen Klein­staaten ein Gesamt­deutsch­land zu machen, mehrmals ausfallen. Der Landgraf von Hom­burg verbietet zehn Jahre lang das Betreten seines Feld­berg-Drittels. An den Feld­bergfesttagen lässt er zeitweilig 200 Soldaten aufmarschieren, die seinen Besitz absperren.

Die deut­schen Landesherren fürchten die von Turnvater Friedrich Ludwig Jahn gegründete Turner- und Wanderbewegung, die von Anfang an politisch-militärisch motiviert ist. Sein Ziel ist es, die Jugend auf den Kampf gegen die französische Besatzungsmacht vorzubereiten und ein geeintes Deutsch­land zu schaffen. Beim Wandern können die jungen Leute frei reden. Sie ent­ziehen sich auf diese Weise der Kontrolle der Obrigkeit in den Städten, wo Versammlungen nicht erlaubt sind. Ähnlich den griechischen Philosophen (Platon, Epikur) und deren Schüler trifft man sich vor der Stadt. In unserem Fall ist der Feld­berg ein beliebtes Ziel.

Die patriotischen Forderungen der Bewegung, die Klein­staaten in einer demokratischen Republik zu vereinen, die den Menschen Freiheit und uneingeschränkte Bürgerrechte garantiert, geht den Potentaten zu weit. Jahn, der auch Mitglied der Frank­furter Nationalversammlung ist, verbringt fast sechs Jahre seines Lebens in Gefängnissen.

Die anderen beiden Anteile des Feld­berg-Plateaus gehören der „Freien Reichsstadt Frank­furt“ und dem Herzogtum Nassau.

Die Aristokraten haben Angst, Einfluss und Besitztümer zu verlieren. Die Mächtigen schikanieren die „Bürger“, die sich so allerdings nicht mehr nennen dürfen, sie sind jetzt nur noch „Untertanen“.

Sieben Millionen Menschen wandern in der Zeit von 1814 bis 1914 aus deut­schen Staaten aus, die meisten nach Amerika. Die Gründe hierfür sind Hunger (Weber) und Verfolgung durch die regierenden Monarchen. 80.000 deut­sche Frauen und Männer arbeiten in Paris zu Niedrigstlöhnen, aber immerhin haben sie eine Arbeit. (Von 1840 bis 1939 wandern 55 Millionen Europäer nach Nord- und Südamerika aus).

Berühmte Dichter emigrieren oder flüchten ins Exil: Ferdinand Freiligrath (1810-1876), Heinich Heine (1797-1856), unter dessen Loreley-Lied während der Nazizeit in den Liedertextbüchern „Dichter unbekannt“ stand, Ludwig Börne (1786-1837) und Hoffmann von Fallersleben (1798-1874). Von ihm stammt der Text unserer heutigen Nationalhymne, „Einigkeit und Recht und Freiheit“.

1849

Das Feld­bergfest findet in diesem Jahr auf dem Fuchstanz statt. Aus Reifenberg wird Ober­reifen­berg und Niederreifenberg: Bürgermeister von Ober­reifen­berg wird Johann Anton Ungeheuer, * 1821,  1910, sein älterer Bruder Johann, * 1812,  1893, wird Bürgermeister von Niederreifenberg.

Ober­reifenberg
Getrennt: Ober- und aus meinem Archiv
Niederreifenberg
Niederreifenberg aus meinem Archiv

1852-53

wird die 1828 errichtete Holzhütte auf dem Plateau durch eine neue ersetzt. Aber auch diese Schutzhütte für Wan­de­rer fällt bald darauf der rauen Witterung zum Opfer.

1853

erstellt Johann Anton Ungeheuer (1821-1910), Besitzer des „Hauses Ungeheuer“ in Ober­reifen­berg (heute Haus Reifenberg) und zugleich Bürger­meister der Gemeinde, mit der „Commission für die Erbauung eines Hauses auf dem Feld­berg“ einen gemeinsamen Bauplan. Mit dem Bau selbst kann aber noch nicht begonnen werden, weil der Herzog von Nassau das Vorhaben fünf Jahre lang blockiert.

Bürgermeister von Ober­reifen­berg J. A. Ungeheuer
Johann Anton Ungeheuer im Kreise von acht seiner elf Enkel / -innen Aufnahme von 1909

Der Wille, das Haus zu bauen bleibt bestehen. Die Männer brauchen es. Auf ihren Wanderungen durch die Wälder des Tau­nus hinauf zum Feld­berg können sie sich der allgegenwärtigen Staatsgewalt ent­ziehen und frei sprechen. Eine Wanderbewegung ent­steht.

1855

wird ersatzweise eine größere Bretterhütte am Brunhildisfelsen gebaut, deren Bewirtschaftung Johann Anton Ungeheuer über­nimmt. Ungeheuer ist auf einem Bild des Malers Heinrich Gustav Adolf Schmitz (1825 -1894) zu sehen. Von diesem Bild existiert nur noch eine Fotografie, weil das Ori­gi­nal 1931 im Mün­chener Glaspalast verbrannte. In der Bretterhütte legt die „Commission“ ein Fremdenbuch aus, in das sich die Besucher eintragen können. August Ravenstein ist darin mehrfach vertreten. Hier Verse von ihm:

Aus Helmut Bode: Das Feld­berg-Buch, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1985, ISBN 978‑3‑7829‑0303‑5

1858

hat die Hausbau-Commission 2800 Gulden Spendengelder zusammen, sogar der Herzog von Nassau leistet einen Beitrag. Man kauft jetzt von der Gemeinde Ober­reifen­berg zwei Morgen Land zu je 50 Gulden, um das Haus auf Nassauer Boden zu errichten. Den ur­sprüng­lichen Plan, das Haus mit integriertem Turm auf dem höchsten Punkt des Berges zu errichten, vereitelt der Hom­burger Landgraf. Er verweigert die Baugenehmigung.

1859

stirbt der Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859). Er hat den Tau­nus „das schönste Mittelgebirge der Welt“ genannt. Gefunden von Prof. Eugen Ernst

Am Sonntag, den 26. Juni kann August Ravenstein endlich den Grundstein zum Bau des Feld­berghauses legen, das nach einem Riss des Architekten Velde aus Diez, der schon 1853 den Bau der neuen Ober­reifenberger Georgskirche leitete, gebaut werden soll. Die Gesamtkosten sollen 5.000 Gulden nicht über­steigen.

Nach dem Gesang der festlich geschmückten Ober­reifenberger Schuljugend hält August Ravenstein die Festrede und der Professor der Baukunst am Städelschen Institut Friedrich Maximilian Hessemer trägt sein zu diesem Anlass verfasstes Gedicht vor, das 17 Strophen umfasst. In seiner gereimten Ansprache kommt dreimal das Wort „Vaterland“ vor und ist nur vor dem Hintergrund des Scheiterns der Revolution 1848 / 50 und den nachfol­gen­den Unterdrückungen und Bedrückungen der Menschen zu verstehen, die immer noch auf ein geeintes Deutsch­land hoffen. Eine dritte Rede folgt. Der Nagelschmied Friedrich Marx aus Arnoldshain hält sie.

1859-60

Die Bauzeit beträgt unter schwersten Bedingungen 14 Monate. Der Große Feld­berg ist noch nicht erschlossen. Keine Straße führt nach oben, nur schmale Wege und Pfade, ähnlich wie das heute noch am Altkönig der Fall ist. Mit Pferdefuhrwerken holt man die Bausteine heran. Um die mühseligen Wege zu verkürzen, kauft man in Reifenberg noch verwendbares Baumaterial von abgerissenen Häusern, Scheunen und Ställen auf.

Altes Feld­berghaus
Das „Alte Feld­berghaus“ mit integriertem Turm wurde 1859 / 60 erbaut aus meinem Archiv

Am 12. August 1860

weiht Ravenstein das Feld­berghaus ein, das ein Gastzimmer und zehn Schlafstellen und einen 40 Fuß (13m) hohen Turm hat. Natürlich hält er auch die Festrede, in der er von einem ge­mein­nüt­zigen vater­ländischen Werk spricht. Am Schluss über­gibt er Haus und Gelände samt allen darauf ruhenden Lasten und Gerechtsamen an Johann Anton Ungeheuer, der die Bewirtschaftung und die Restfinanzierung über­nimmt. Es fol­gen weitere Redner, da­run­ter Fritz Emminghaus aus Usingen und der Nagel­schmied Friedrich Marx aus Arnoldshain. Ein Problem bleibt allerdings ungelöst. Es gibt kein Wasser auf dem Feld­berg, und so muss in den nächsten Jahrzehnten jeden Tag ein Hotelangestellter mit einem Hundegespann hinunter zur Weilquelle am Numerus-Römer­kastell Kleiner Feld­berg fahren, um einige Kannen Wasser zu holen. Das „Alte Feld­berghaus“ wird 35 Jahre allein auf dem Plateau des Großen Feld­bergs stehen. Dann gibt es 1895 und 1899 Konkurrenz.

1861

Die Schikanen gegen die Turner, Sänger und zuschauende Besucher des Feld­bergfestes gehen weiter. Der Landgraf von Hessen-Hom­burg lässt auf seinem Drittel des Feld­berg-Plateaus Fichten pflanzen.

1866

verkündet Wilhelm I. die Eingliederung der Landgrafschaft Hessen-Hom­burg, des Herzogtums Nassau und der bis dahin freien Stadt Frank­furt in das Königreich Preußen. Und somit finden die Spiele

1867

erstmals auf preußischem Boden statt.

1868

gründet August Ravenstein im „Alten Feld­berghaus“ die erste deut­sche Touristen-Vereinigung, den „Bund der Feld­bergläufer“. Der Verein nennt sich jedoch bald „Taunusklub“ und sieht sich nicht nur als Wanderverein, sondern seine Mitglieder bauen auf vielen Berggipfeln Aussichtstürme, errichten Schutzhütten, legen Wege an und markieren sie. Als besonders wichtig erweisen sich die sozialen Dienste des neuen Klubs. Man versorgt notleidende Menschen im Hoch- und Hintertaunus mit Kartoffeln und Saatgut, man installiert eine Korbflechterschule in Grävenwiesbach und die Lehrerin Emilie Seipp aus Frank­furt lehrt Frauen aus Ober- und Niederreifenberg die Filet-Kunst.

Altes Feld­berghaus von 1868
Das „Alte Feld­berghaus“, Gefunden von Susanne Eckermann

18. Januar 1871

im Feld­berghaus feiern Mitglieder des Taunusklubs die Proklamation Wilhelms des I. zum Deut­schen Kaiser. Erstmals ist Deutsch­land geeint. Es wird einen Reichstag geben, allerdings dürfen nur Männer wählen, die älter als 25 Jahre sind. Das Parlament darf nur mitbestimmen. Es ist noch ein weiter Weg bis zu einer funktionierenden Demokratie.

1871

Fritz Emminghaus, Mitbegründer der Feld­bergfeste und Initiator des Baus des Feld­berghauses, ist tot.

Das Feld­berghaus muss bereits um 115 m³ erweitert werden. Der Turm ist bereits baufällig und wird abgebaut. August Ravenstein ist Gast bei der Einweihungsfeier des Anbaus am 25. August 1872.

Altes Feld­berghaus nach der Erweiterung
Das Alte Feld­berghaus wird bereits 1871, 1872 erweitert. aus meinem Archiv

1874

wird hauptsächlich von italienischen Gastarbeitern die sogenannte Kanonenstraße Ober­ursel - Sand­placken - Schmitten am Feld­berg vorbei gebaut. Dorthin führen, neben einigen Wanderpfaden, nach wie vor nur Schotterwege vom Roten Kreuz und vom Sand­placken her.

1875

An 17. Juni wird auf dem Feld­berg Katharina Ungeheuer geboren, die erste von fünf Töchtern des Wirtehepaares. Sie wird später den Bürger­meister von Ober­reifen­berg Theodor Bonaventura Sauer heiraten. Es folgen zwei Söhne von ebenfalls deren fünf, Jean und Christian, die später gemeinsam das „Alte Feld­berghaus“ erben. Ihre Geschwister gehen nicht leer aus. Sie werden ausbezahlt.

Im Juli wird das Feld­bergfest wegen eines Gewitters abgebrochen und im August auf dem Neroberg in Wies­baden wiederholt.

1878

Das Jubiläumsfeldbergfest wird vom Landrat in Bad Hom­burg zunächst verboten. Es werden sozial­demokratische Aufmärsche befürchtet. Angesehene Turner aus Frank­furt erreichen unter strengen Auflagen die Rücknahme des Verbots. 40 ältere Turner müssen dafür sorgen, dass nicht in geschlossenen Trupps marschiert wird, dass keine Corporationen aufziehen, dass das Mit­füh­ren von Fahnen, Trommeln und Musikinstrumenten unterbleibt. Die 40 ordnenden Turner müssen aus Frank­furt, Wies­baden, Hom­burg und Usingen sein, auf keinen Fall jedoch aus Of­fen­bach, Hanau oder Höchst.

22. Juni 1879

Das Feld­bergfest muss wegen schlechten Wetters in Höchst am Main auf der Wörthspitze stattfinden. Preisverleihung im Bürger-Casino.

1880

Auf Betreiben August Ravensteins werden über 20 Schwesternstationen eingerichtet. Die Dernbacher Ordensfrauen pflegen in den Tau­nus-Dörfern Kranke und ihre Häuser sind zugleich Kindergärten.

1881

Der Taunusklub versorgt 13 Tau­nus-Gemeinden, da­run­ter alle Hochtaunusdörfer, mit Saatkartoffeln, Lebensmitteln und Sachspenden.

Verleger August Ravenstein
Verleger, Gründer des Feld­bergfestes, des Taunusklubs und Mitbegründer des Frank­furter Palmengartens: August Ravenstein Hochtaunusarchiv

1881

stirbt August Ravenstein (72), Verleger, Gründer des Feld­bergfestes, des Taunusklubs und Mitbegründer des Frank­furter Palmengartens.

Gottlieb Schnapper-Arndt, * 1846 in Frank­furt am Main,  1904 in Halberstadt, lebt 1881 ein Jahr lang mit den Bewohnern der fünf Hochtaunus-Dorfgemeinden. Er betreibt dort statistisch-soziologische Feldforschung. Später schreibt er in Tübingen seine Dissertation darüber und veröffentlicht sie. Er ist damit der Begründer dieser Sparte der Soziologie.

Schnapper-Arndt beschreibt in seinen Aufzeichnungen die für heutige Verhältnisse unfassbare Armut der Menschen, die trotz 16-stündiger Arbeit in kleinen Nagelschmieden, beim Filetknüpfen, Haarklemmenstecken oder der Feldarbeit kein Auskommen finden. Auch Kinder arbeiten 16 Stunden am Tag, nur von vier Schulstunden unterbrochen.

Im Hochtaunus gibt es 1881 295 Nagelschmieden. Für einen Nagel benötigt der Schmied 25 Hammerschläge. Wenn er seine meist große Familie ernähren will, dann muss er in fünf Tagen 12.500 Nägel herstellen, und sie am sechsten Tag an Händler in den großen Städten Frank­furt und Wies­baden verkaufen.

1882

Hansjörg Ungeheuer
Zweiter Feld­berg­wirt Hansjörg Ungeheuer aus meinem Archiv

Johann Georg Daniel Ungeheuer (1844 - 1898), genannt Feld­berg - Johann, Rufname Hansjörg, und seine Ehefrau (seit 1872) Agnes, geb. Waldschmitt (1851 - 1900) aus Ober­reifen­berg über­nehmen das „Alte Feld­berg­haus“ aus den Hän­den von Johann Anton Ungeheuer, der aber das Haus Ungeheuer (heute Haus Reifenberg) in Ober­reifen­berg weiterführt.

1882

Der Taunusklub errichtet Schüler-, Studenten- und Lehrlingsherbergen im Tau­nus.

1884

Observatorium Großer Feldberg
1884 richtete der Physikalische Verein Frankfurt am Main auf dem Großen Feldberg zunächst eine Re­gen­mess­station ein. Sie wurde später als Observatorium ausgebaut und 1913 auf das größere Areal des Kleinen Feldbergs über­führt. Physikalischer Verein Frankfurt

1893

wird das 25-jährige Bestehen des Taunus­klubs gefeiert. Das Feld­berg­haus ist mit bunten Fah­nen und Tannen­grün ge­schmückt.

1894

schreibt August Knyrim, der Nach­folger Raven­steins als Taunus­klub­vorsit­zen­der, dass sich stets am 1. Januar Natur­freunde tref­fen, die gemein­sam mit dem Zug nach Cronberg fahren und dann über Falken­stein und dem Fuchs­tanz zu dem auf dem Gipfel des Feld­bergs hau­sen­den „Ungeheuer“ wan­dern. Gemeint ist der Feld­berg­wirt glei­chen Namens. Er wird im Gäste­buch immer wieder genannt:

Aus Helmut Bode: Das Feld­berg-Buch, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1985, ISBN 978‑3‑7829‑0303‑5

1894

darf erstmals eine Frau die meisten Taunusklub-Touren mitwandern.

1895

wird das „Neue Feld­berghaus“, Inh. Friedrich Sturm, Niederreifenberg, eingeweiht.

Das Neue Feld­berghaus
Das „Neue Feld­berg­haus“, Inhaber: Friedrich Sturm, Niederreifenberg aus meinem Archiv

1896 / 97

baut Philipp Gutacker das dritte Feld­berghaus „Walküre“, Besitzer ist Jakob Ungeheuer aus Niederreifenberg.

Jacob Ungeheuer nennt sein Haus Walkuere
„Walküre“, Besitzer ist Jakob Ungeheuer aus Niederreifenberg Mein Archiv

22. September 1898

Der Wirt des „Alten Feld­berghauses“ Johann Georg Daniel Ungeheuer stirbt in Ober­reifen­berg. Zu den Hinterbliebenen gehören Ehefrau Agnes, geb. Waldschmitt, 6 Töchter und 4 Söhne.

1898

Hier unkommentiert der Besuch des Prinzen von Wales, dem Sohn von Queen Vic­to­ria und späteren König Edward VII (1901-1910) im „Alten Feld­berghaus“. Es handelt sich um denselben Prinzen, der in Hom­burg einen Hut für sich ent­deckte und anfertigen ließ, der dann unter dem Namen Hom­burger bekannt wurde:

Ein Prinz war zu Besuch
Aus Touristische Mitteilungen, Jahrgang 1897 / 98, von Dr. Wilhelm Christian Lange aus Cassel (damals noch mit „C“ geschrieben)
Der Prinz von Wales war zu Besuch
Gefunden hat das Susanne Eckermann

1900

Ravensteins Taunusführer
Text aus Ravensteins Taunusführer von 1900 Verlag Ludwig Ravenstein
Ravensteins Taunusführer 1900
Taunusführer Verlag Ludwig Ravenstein

1901

Unter dem Taunusklub-Präsidenten Peter Kittel kommt es zur Grundsteinlegung für den Bau eines festen Thurmes auf dem Feld­berg. Einen Saal, der 150 Ausflüglern Unterkunft bietet, und eine Türmer-Wohnung sollen darin eingerichtet werden. Die Klub-Mitglieder hatten dafür jahrelang Spenden gesammelt. Architekt ist Adolf Haenle, Baufirma Holzmann aus Frank­furt.

Kurz vor der Einweihung des Feld­berg-Aussichtsturms
Kurz vor der Einweihung des Feld­berg-Aussichts­turms Hochtaunusarchiv Bad Homburg
Die Einweihung des Turmes 1902
1902 wird der Aussichtsturm eingeweiht Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

1902

findet bereits die Einweihung des 30 m hohen Turmes statt. Festredner sind der Frank­furter Ober­bürger­meister Franz Adickes und Peter Kittel.

Kaiser Wilhelm II. ist einer der etwa 10 000 Besucher.

In Büchern und auf Postkarten aus dieser Zeit wird das „Alte Feld­berghaus“ meiner Ungeheuer-Vorfahren als „Absteige-Quartier für hohe und höchste Herrschaften“ be­zeich­net.

Der Kaiser und seine Familie, aber auch englischer Adel, machten vorzugsweise in Wies­baden und in Bad Hom­burg Erholungsurlaub. Wenn die Herr­schaften nach­mit­tags mit ihren Kutschen auf dem Großen Feld­berg einzu­kehren gedachten, dann suchten bereits morgens Be­dien­ste­te meinen Großvater auf und bestimmten, welche Räume ab­zu­spe­rren seien. Kam der Kai­ser selbst, so musste auch ein Terrain um das Haus herum gesperrt werden.

Um die Jahrhundertwende hatte sich der Fotograf Erhard auf dem Feld­berg niedergelassen. Auf alten Postkarten aus dieser Zeit kann man sein kioskähnliches Atelier fin­den. Er fotografierte Wan­de­rer vor den imposanten Motiven des Feld­berg-Plateaus und diejenigen, denen dies nicht ausreichte, wurden vor einer Leinwand mit Südseemotiven postiert.

Eines Tages war das Feld­berghaus wieder einmal ab­ge­sperrt. Ein Junge lief über das Plateau, der Fotograf bemerkte ihn, wollte für Ordnung sorgen, und fragte: „Wo willst Du dann hie, Bubsche? Du derfst hier nit dorsch die Absperrung laafe.“ Die Antwort des Knaben: „Ich will zu meinem Vater.“ „Un wer is Dein Vadder?“ „Na ja, der Kaiser.“ Und verschwand im „Alten Feld­berghaus“ zu seinem Papa, dem Kaiser. (Wilhelm II. hatte sechs Söhne und eine Tochter)

26. Mai 1902

Die Brüder Jean (1877 - 1952) und Christian Ungeheuer (1881 - 1931) über­nehmen das „Alte Feld­berghaus“. Jean ist in Monaco zum Hotelier ausgebildet worden, Christian hat den Beruf des Küfers erlernt.

Gäste aus aller Welt sind im Fremdenbuch des „Alten Feld­berghauses“ der Jahre 1902 und 1903 ein­ge­schrie­ben: sie kommen aus London, Plymouth, Cardiff, Cam­brid­ge, Hertford (Ostengland), Jersey (Brit. Insel), St. Peters­burg, Wladiwostok, New York, Lyon, Bukarest, Prag, Odessa, Apeldoorn, Warm­baths (Transvaal), War­schau, Stettin, Larvik (Norwegen), Chris­ti­ania (heute Oslo), Berlin und aus vielen anderen deut­schen Städten.

Christian Ungeheuer
Christian Ungeheuer Mein Archiv
Apollonia Ungeheuer, ge. Schmitt 1983 - 1906
Apollonia Ungeheuer, geb. Schmitt (1983 - 1906) wurde nur 23 Jahre alt aus meinem Archiv
Ida Ungeheuer geb. Koch, 2. Frau Christians
Ida Ungeheuer, geb. Koch, mit Sohn Hans, 2. Frau Christians aus meinem Archiv
Elisabeth Ungeheuer geb. Schmitt
Elisabeth Ungeheuer, geb. Schmitt, mit ihren Töchtern Elisabeth und Katharina und… aus meinem Archiv
und ihr Ehemann Jean Ungeheuer
…ihrem Ehemann Jean Ungeheuer aus meinem Archiv

1904

Martin Pfeifer wird auf einer „Ne­ckar­sulm“, die eine Motorleistung von 2,5 PS hat, mit einem Schnitt von 38 km / h erster Sieger eines Motor­rad­rennens am Großen Feldberg im Taunus. Die Behörden mussten für den Renntag die damals erlaubte Höchst­geschwin­digkeit von 30 km / h aufheben. Von Pfeifer habe ich leider kein Foto, aber von einer „Ne­ckar­sulm“.

Peter Euler auf NSU
Aber hier ist ja Peter Euler. Der hatte eine solche „Ne­ckar­sulm“, später kurz NSU genannt. Edith Meister

1907

Jugendstilkarte
1907 Zeit des Jugendstils aus meinem Archiv

An der Nord- und Ostseite des „Alten Feld­berghauses“ wird eine Terrasse angebaut.

Es gab noch strenge Winter
Es gab noch strenge Winter aus meinem Archiv
1907 hat das Haus eine Terrasse erhalten
Aussichtsturm und „Altes Feld­berghaus“ im Herbst… aus meinem Archiv
1907 Feld­berghaus im Winter
… und im Winter Mein Archiv

1908

Man kann von Königstein nach einem zweistündigen Spaziergang den Gipfel des Großen Feldbergs erreichen. In einem Geleitbüchlein für Kurgäste der städtischen Kurverwaltung Königstein findet man dazu den folgenden Hinweis: „Hier erschließt sich dem Beschauer ein unvergleichlicher Ausblick weit in die bayrischen und badischen Lande.“

Im „Feldberg-Buch“ von Helmut Bode findet man eine Schilderung, nach der man vom Großen Feldberg aus dem Main bis Aschaffenburg und dem Rhein bis zur Höhe Straßburgs folgen kann. Es betrifft das Jahr 1843.

Heute, 2023, zweifeln viele diese Schilderungen an, weil sie sich an die durch die Industrialisierung verursachten gesundheitschädigenden Schwebstoffe der unterschiedlichsten Art in der Luft gewöhnt haben. Ausblicke in die Ferne der geschilderten Art, haben uns Autoabgase, Schadstoffe aus Chemiewerken und Werken der Energiegewinnung und viele andere Verursacher gänzlich zunichte gemacht.

Am 10. März 1910

stirbt Johann Anton Ungeheuer 89-jährig. Er war der erste Wirt des „Alten Feld­berghauses“. Seine Ehefrau Elisabeth, 1822 geb. Quicker, ist bereits 1876 gestorben.

Ein Nachruf in der Zeitung
Ein Nachruf in der Zeitung Mein Archiv

16. April 1910

Das Kaiserpaar, Prinzessin Vik­to­ria Luise und Gefolge besucht den Großen Feld­berg.

8. September 1910

Auch die Zarenfamilie beehrt das „Alte Feld­berghaus“.

Das Kaiserpaar besucht den Feld­berg
Das Kaiserpaar besucht den Feld­berg Im Hochtaunuskreisarchiv Bad Hom­burg gefunden von H. Lichtnecker
Die Zarenfamilie besucht den Großen Feld­berg
Auch die Zarenfamilie besucht den Großen Feld­berg H. Lichtnecker
Altes Feld­berghaus um 1912
Altes Feld­berghaus um 1912 Hochtaunusarchiv Bad Homburg

1913

Bei einer Bergprüfung für Auto­mo­bi­le belegen Fahr­zeuge der Firma Adler / Frank­furt die vier ersten Plätze.

Endlich Licht
Es werde Licht und es ward. Seit dem 14. Mai 1913 gibt es elektrisches Licht in den Gasthäusern des Großen Feld­bergs. Hochtaunusarchiv

Und, noch wichtiger, ein elektrisches Pumpwerk befördert jetzt Wasser aus dem Quellgebiet des Weilbachs am Römerkastell zu den Gipfeln des Großen und des Kleinen Feld­bergs. Von hier versorgen Leitungen den Turm, die drei Gasthäuser und das Feld­bergobservatorium.

Idylle
In Harmonie: die drei Feld­berghäuser, aber dann… Mein Archiv

1914-18

Erster Weltkrieg. Von den 70 Millionen kämpfenden Soldaten sahen 17 Millionen nicht mehr ihre Heimat.

Am 20. De­zem­ber 1918

besetzt französisches Militär das Feld­berg-Plateau, es darf von Deut­schen nicht mehr ohne Genehmigung betreten werden. Am selben Tag wird auch Reifenberg besetzt.

An Stelle der Feld­bergfeste finden in Bad Hom­burg und Mainz-Kastel Ersatzveranstaltungen statt. Ab 1922 dürfen erstmals auch Frauen an den Spielen teilnehmen.

1920

Am 31. Okto­ber 1920 fanden die ersten Feld­berg­rennen für Auto­mo­bi­le und Motor­räder nach dem Ersten Weltkrieg statt. In den 20er-Jahren auf der Stre­cke „Hohe Mark - Sand­placken“, in den 30ern dann von der Hohen Mark zum Feld­berg-Gipfel. Den Siegern dieser Rennen ist in den Statistiken gebührend viel Platz gewidmet.

Die SiegerINNEN werden auf einer eigenen Seite gewürdigt. Niemals mehr gab und gibt es so viele erfolgreiche Auto­mo­bil- und Motor­rad-Rennfahrerinnen wie in den 20er-Jahren.

Nach dem Ausscheiden seines Bruders Jean, verkauft Christian Ungeheuer das „Alte Feld­berghaus“ an Herrn Plade und dieser an Carl August Hahn aus Kronberg. Auch Jakob Ungeheuer, * 13. März 1871, verkauft 1921 sein Feld­berg-Gasthaus „Walküre“. Neuer Besitzer: Karl Geis, König­stein im Tau­nus. Jakob Ungeheuer eröffnet ein Gasthaus in Niederreifenberg und ist dort ab 1924 Bürger­meister.

1922

Das Feld­berg-Plateau zu Zeiten franzoesischer Besatzung
Sieben Jahre war das Feld­berg-Plateau nach dem Ersten Weltkrieg von den Franzosen besetzt. Mein Archiv

1924

Erlaubnisschein der Besatzungsmacht
Mit freundlicher Erlaubnis von Elmar Ickstadt aus Mainz

Die französische Besatzungskommission setzt Herrmann Kowald / Ober­reifen­berg als Förster und Hege­meister des Feld­berg-Forstreviers ein. In seiner Amtszeit werden der nach dem jüngeren Bruder Kaiser Wilhelms II benannten Prinz-Heinrich-Weg vom Roten Kreuz zum Großen Feld­berg, als auch der Weg vom Sand­placken zum Großen Feld­berg zu Straßen ausgebaut. Auch der Bau der „Großen Feld­berg-Sprungschanze“ am Nordwesthang fällt in seine Amtszeit.

Hegemeister Kowalt mit weissem Bart im Alten Feld­berghaus
Im Alten Feld­berghaus Mit freundlicher Genehmigung von Elmar Ickstadt

1926

60 Jahre Taunusklub.

Taunusklub Ober­reifen­berg
Taunusklub Ober­reifen­berg Mein Archiv

Am 10. September 1926

treten die Verträge von Locarno in Kraft. Deutsch­land wird wieder Mitglied des Völkerbundes, die französischen Truppen heben die Sperre des Feld­berg-Plateaus auf, ziehen aber erst am 30. Juni 1930 ab.

Am 18. September 1926

besuchen Komponist Paul Zilcher (1855-1943) und seine Frau Emmy das „Alte Feld­berghaus“. Paul Zilcher schenkt uns im Gästebuch ein „Moderato“. Ob das schon einmal gespielt wurde?

Ob das Moderato schon mal gespielt wurde?
Aus dem Gästebuch des Alten Feld­berghauses
Foto von 1926
Großer Feld­berg im Tau­nus 1926 Taunusklub-Postkarte

1927

25 Jahre Feld­berg Aussichtsturm. 1927 besitzt Carl August Hahn alle drei Feld­berg-Gasthäuser, von denen er aber nur noch das „Alte Feld­berghaus“ bewirtschaftet. Die über 10-jährige Beschlagnahme des Feld­berg-Plateaus durch die französischen Truppen und die Wirtschaftskrise hat ein Bewirtschaften von drei Häusern unrentabel gemacht. Da die Gasthäuser „Walküre“ und „Neues Feld­berghaus Sturm“ auf dem Boden der Gemeinde Niederreifenberg stehen, fordert die Gemeinde die Rückgabe der Häuser und Grundstücke, um sie vor dem Verfall zu bewahren.

1928

Ab 14. Mai 1928 probte die Jazzband „Weintraubs Syncopators“ mit Franz Wachsmann, Kurt Kaiser, Paul Aronovici, Horst Graff, Ansco Bruinier und Stefan Weintraub im „Alten Feld­berghaus“ für ein Gastspiel im Frank­furter Städtischen Schauspielhaus. Die damals weltweit bekannteste deut­sche Jazzband war in 20 Spielfilmen zu sehen, unter anderem in „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich. Als die Musiker 1933 als „Nichtarier“ Spielverbot erhielten, wanderten sie nach Aus­tra­li­en aus. Es war schicksalhaft, dass sie dort als „feindliche Ausländer“ ebenfalls mit einem Spielverbot belegt wurden und sogar für über ein Jahr interniert wurden. Beschämend war dabei die Rolle der Musiker-Gewerkschaft. Stefan Weintraub war gezwungen, als Automechaniker zu arbeiten. Jörg Süßenbach und Klaus Sander drehten 2000 einen Film über das Schicksal der Band. Mit dem NS-Regime ging in Deutsch­land in allen Bereichen eine Blütezeit der Kunst zu Ende. Bis heute, 2010, ist der Rückstand, in den Deutsch­land dadurch geraten ist, nicht ganz aufgeholt. Gleiches gilt auch für fast alle Wissenschaftszweige. Die Vernichtung und Vertreibung der europäischen Juden ist eine Hypothek, die wir zu tragen haben und die auch nicht von der Zeit getilgt werden kann.

Weintraubs Syncopators
Die Weintraubs Syncopators im Alten Feld­berghaus Mit freundlicher Genehmigung des Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

1929

muss Herr Hahn die beiden ungenutzten Gasthäuser an die Gemeinde Niederreifenberg zurückgeben. Das Haus Sturm wird gründlich renoviert.

Am 30. Juni 1930

verlassen die französischen Truppen, die zum Brückenkopf Mainz gehören, das Feld­berggebiet. 40.000 Menschen feiern an diesem Tag auf dem Gipfel des Großen Feld­bergs, 2.000 Autos finden kaum Parkplätze. Bürger­meister Ungeheuer aus Niederreifenberg hisst die Reichsfahne auf dem Aussichtsturm.

Baracken und Gärten auf dem Feldberg
Auf dieser Postkarte erkennt man neben den drei Gaststätten auch Baracken, Nebengebäude, Schuppen, Garagen, aber auch Gärten und einen Komposthaufen. Die größte Baracken ist eine Hinterlassenschaft der Franzosen. Sie wurde zu einem Turnerheim umgebaut, fiel dann aber dem Zweiten Weltkrieg zu Opfer. Mein Archiv

1931

Das ehemalige „Haus Sturm“ wird an Erich Berndt verpachtet. Bewirtschaftet wird es jedoch von Johann Herr aus Niederreifenberg. Das Haus erhält einen neuen Namen: Hotel und Restaurant „Feld­berghof“.

Renoviertes Haus Sturm
Von links Erich Berndt, unbekannt, unbekannt, Jacob Ungeheuer (ab 1924 Bürger­meister von Niederreifenberg) Johann Herr, vorn Anton, Adam und Wilhelm Herr, beide Fotos von Susanne Eckermann, Adam Herr ist ihr Großvater

Zwischen 1927 und 1936 gewinnt die Norwegerin Sonja Henie zehn Welt­meister­titel im Eiskunstlauf. Sie macht diesen Sport auch in Deutsch­land so populär, dass man 1931 die „Brunhildis“- Eiskunstlaufbahn auf dem Feld­berg-Plateau erbaut.

Am 26. und 27. Juni landen Eugen Stein und Ludwig Kelting mit der Ju D373 und dem Doppeldecker D1936 der Firma Max Gerner auf dem Feld­berg-Gipfel. Laut Wikipedia gibt es zwischen 1907 und 1945 28 Flugzeugbauer und Zulieferer im Raum Frank­furt, einer davon ist Max Gerner (1900-1977).

Fast vergessen ist ein Mann, in Leutershausen geboren und in Frank­furt-Höchst aufgewachsen, der am 14. August 1901 mit seinem selbst ent­wickelten Flugzeug Nr. 21 mit zwei ebenfalls selbst konstruierten Azetylenmotoren den ersten Motorflug der Welt unternahm. Er flog zwei Jahre vor den Gebrüdern Wright in Bridgeport / USA 800 m weit: Gustav Weißkopf.

Eugen Stein mit der JU
Zwei mutige Piloten, Eugen Stein… Gefunden im Hochtaunusarchiv Bad Homburg
Ludwig Kelting landet mir der Gerner
…und Ludwig Kelting, landen auf dem Feld­berg. Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

Am 21. August 1932

erprobt der Pilot Willi Liebeskind aus Frank­furt das Feld­berg-Plateau erfolgreich als neues Segelfluggelände. Es gelingt ihm ein erster Start und eine gute Landung. In einer Zeichnung wird dieses Ereignis im Gästebuch Hahn des „Alten Feld­berghauses“ festgehalten.

Jemand zeichnete dieses Ereignis
Fritz Liebeskind landet im August 1932 mit einem Segelflieger auf dem Feld­berg-Plateau. Aus dem Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

1932

Die Gemeinde Niederreifenberg ersteigert das „Alte Feld­berghaus“. Ab 1932 befinden sich nun alle drei Feld­berghäuser im Besitz Niederreifenbergs.

Ende 1932 erhält der Aussichtsturm eine Flugsicherungslampe
Ende 1932 ist der Aussichtsturm ohne Adler,aber mit einer Flugsicherungslampe ausgestattet. Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

1933

„Gleichschaltung“ des Tau­nus-Klubs mit nationalsozialistischen Wandervereinen zum „Tau­nus-Bund“. So genannte „Nichtarier“ und Kommunisten sollen aus den Vereinen „ent­fernt“ werden. Der Vorsitzende einer jeden örtlichen Abteilung des „Tau­nus-Bundes“ soll Mitglied der NSDAP sein.

1935

Mit Gewehr Revierförster Hermann Kowald
Revierförster Hermann Kowald mit Gewehr
Zwischen dem Sand­placken und dem Großen Feld­berg wird eine Straße gebaut
35 Männer bauen eine Straße zwischen dem Sand­placken und dem Feld­berg. Elmar Ickstadt

1936

Erstmals können die Teilnehmer der Feld­berg-Berg­ren­nen für Motor­räder und Auto­mo­bi­le bis zum Gipfel fahren, denn die Schotterstrecke vom Sand­placken zum Feld­berg ist 1935 geteert und ausgebaut worden. Die Renn­strecke ab der Hohen Mark ist jetzt 12 km lang. Zu den diesjährigen Siegern gehören: Arthur Geiss auf DKW 250 cm³ und Oskar Steinbach NSU 350 cm³. Die Rennen zählen, wie bereits die bisher zwischen Hohe Mark und Sand­placken ausgetragenen Läufe über 8km, zur Deut­schen Berg­meister­schaft.

Die Bus-Linie „Hohe Mark - Sand­placken - Schmitten“ bezieht jetzt den Feld­berg mit ein.

Bus fährt bis zum Feld­berg
Bus-Linie „Hohe Mark - Sand­placken - Großer Feld­berg - Schmitten“ Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

Im Juni trainiert die Olympia-Fechtmannschaft im „Alten Feld­berghaus“. Mit Stefan Rosenbauer, Erwin Casimir, August Heim, Julius Eisenecker und Helene Meyer sind fünf Medaillengewinner dabei, und auch Hedwig Hass, Eugen Geiwitz, Sieg­fried Lerdon und Olga Ölkers, die alle schon Deut­sche Meistertitel ge­won­nen haben, gehören zur Mannschaft.

Tilly Fleischer, Olympia-Siegerin im Speerwerfen, erholt sich nach der Olympiade auf dem Feld­berg und trägt sich in das Gästebuch der Familie Hahn ein.

Deut­sche Olympia-Fechter
Olympia-Fechtmannschaft von 1936 Hochtaunusarchiv Bad Hom­burg

1937

Das „Alte Feld­berghaus“ und die „Walküre“ werden abgerissen. Sie müssen einem neuen Fern­melde­turm weichen, von dem aus Fern­seh­pro­gramme ausge­strahlt werden sollten. Architekt ist der Hoch­schul-Pro­fessor Hans Soeder (1891-1962), der seit 1919, also fast von Anfang an, dem Team des von Walter Gropius gegründeten „Staatlichen Bauhauses“ (1919-1933) in Weimar angehört. Soeder hat sich in der Holzbaukunst, über die er auch promo­viert hat, einen hervor­ragen­den Namen gemacht. Für die künstlerische Ausstattung ist Carl Moritz Schreiner (1889-1948, Düssel­dorf) ver­ant­wort­lich. Der Geburts­ort des Fern­sehens ist Ber­lin-Witz­leben. Von dort werden bereits 1929 erste Ver­suchs­sen­dungen ausgestrahlt. Die Firmen Telefunken und AEG montieren einen fahrbaren Fern­seh­sen­der auf zwölf LKWs und bringen ihn in Hamburg, auf dem Brocken im Harz und auf dem Großen Feld­berg im Tau­nus zum Ein­satz.

mobiler Fernsehsender auf 12 LKWs
Mobiler Fernsehsender Telefunken

So werden 1936 vom Feld­berg aus schon erste Fernsehbilder ausgestrahlt. Ein volles Fernsehprogramm soll dann von dem neuen Turm aus gesendet werden. Hitlers Angriff auf Polen, 1939, verhindern jedoch diese Pläne. 3.000 km Breitbandkabel waren bereits von Berlin durch ganz Deutsch­land verlegt worden, mit Zwischen­verstärkern alle 15 km.

Das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt wird seit dem 22. März 1935 vom Fernsehsender Paul Nipkow / Berlin ausgestrahlt, BBC / London folgt im Okto­ber. In Deutsch­land können 1936 bereits 160.000 Menschen die Olympischen Spiele am Fernsehschirm verfolgen.

Im Archiv des Hochtaunuskreises in Bad Hom­burg werden die beiden letzten Gästebücher des „Alten Feld­berghauses“ aufbewahrt. Man findet berühmte Namen darin: Die Mitglieder des Jazz-Orchesters „Die Weintraubs Syncopators“, Teilnehmer der Olympischen Spiele von 1936 und die bekannte Fliegerin Elly Beinhorn. Auch viele Motor­radrenn­fahrer wie Arthur Geiss, Heiner Fleischmann, Josef „Sepp“ Giggenbach, Otto Kohfink und andere sind in den Büchern verewigt.

Zeichnung von Fritz Wucherer
Der Fernmeldeturm im Aufbau, eine Zeichnung von Fritz Wucherer, * 1873 Basel,  1948, Kronberg Mit freundlicher Erlaubnis des Hochtaunusarchivs, Bad Hom­burg

Im Februar wird mit dem Bau des Fernsehturms auf dem Feld­berg-Plateau begonnen. Das Richtfest ist bereits im Herbst. Dennoch verhindert der Kriegsbeginn die Fertigstellung des Senders.

Von den drei Gasthäusern bleibt nur der Feld­berg-Hof erhalten.

Er stand nur sieben Jahre
Fernsehturm, erbaut 1937… Mein Archiv
Bauhausturm
… im Bauhausstil von Hochschul-Professor Hans Soeder (1891-1962). Er war Spezialist für Holzbaukunst. Foto: 1943 Mein Archiv
Schneeräumdienst mit acht Pferden
1943 Auf der Stre­cke Sand­placken zum Feldberg wurde der Schneepflug von sechs Pferden gezogen und von weiteren zwei Pferden geschoben. Helmut Bode: Das Feld­berg-Buch, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1985, ISBN 978‑3‑7829‑0303‑5

2. De­zem­ber 1943

Ein in Erfurt mit Ziel Rhein-Main-Flughafen Frank­furt gestartetes deut­sches Militärflugzeug vom Typ Messerschmitt Bf 110, rammt im Nebel den Aussichtsturm auf dem Großen Feld­berg. Der Benzintank explodiert und der Turm brennt aus. Bei dem Unglück sterben die drei Flugzeuginsassen, die Ehefrau des Turmwärters Sofie Müller und deren Freundinnen Katharina Klappers und Anna Hartleb, ein Wehrmachtsfunker, außerdem 7 Mitglieder eines Bautrupps, der ausgerechnet an diesem Tag dort arbeitet.

Heribert Grambusch aus Ober­reifen­berg, der zweite Funker, hatte sich einen Tag Urlaub genommen. Normalerweise arbeitet er, wie sein Kollege, in der Radarstation des Fernsehturms und wohnt in einer Unterkunft im Aussichtsturm. Vergitterte Fenster versperren den Menschen den Weg nach draußen, sie müssen ersticken.

Im April 2017 lässt der Taunusklub Niederreifenberg eine Gedenktafel für Sofie Müller im Flur des Feld­berg-Aussichtsturms anbringen.

danach
Flugzeugabsturz 1943 Mein Archiv
Zur ewigen Erinnerung
In Memoriam Susanne Eckermann

1944

Am 20. Januar wird auf dem Großen Feld­berg eine Flak instal­liert. Die Flak­helfer werden am Schü­ler­heim des Goethe-Gymna­siums bei Ober­reifen­berg ver­pflegt. Reste des Mauer­werks, in das eine Gulasch­kanone einge­baut wurde, sind heute noch am Schüler­heim zu sehen.

Innerhalb eines Monats stürzen zwei deut­sche Militär­flug­zeuge in Feld­berg­nähe ab. Am 12. Okto­ber stürzt nahe dem Ober­reifen­berger Sport­platz eine Ma­schine in den Sang­küppel. Dabei sterben alle 6 Besat­zungs­mit­glieder. Und am 8. Novem­ber stürzt ein wei­te­res Flug­zeug unter­halb des Gip­fels, neben dem Fuchs­tanz­weg, zwi­schen dem Schüler­heim des Goethe-Gymnasiums und der Wege­kreu­zung ober­halb der „Heim­lichen Wiese“ in den Wald. Zwei Insas­sen kommen mit dem Leben davon, drei Sol­da­ten ster­ben.

Am 2. März 1945 12:10 Uhr

donnern mit beängs­tigen­dem Getöse P-47 Thunder­boldt-Ma­schinen der US-Streit­kräfte mit je zwei 1.000 Pfund-Bomben (=454kg) unter den Trag­flächen, dicht über die Dächer der Tau­nus-Gemein­de Ober­reifen­berg hin­weg und zer­stören Minuten später den großen Fern­melde­turm auf dem Gro­ßen Feld­berg. Die letzte Bombe soll es gewesen sein, die den Turm trifft und die oberen acht Stock­werke zer­stört. Es war die Holz-Kons­truk­tion von Pro­fes­sor Hans Soeder, die die Ausstrahlung von Fernsehbildern erleichtern sollte. Ziel des Angriffs war der von der deut­schen Luft­waffe 1944 errich­tete Stör­sen­der. Zum Zeit­punkt des Angriffs befinden sich weit über 100 Menschen auf dem Plateau. Keiner wird verletzt. Selbst Heri­bert Gram­busch, der im 10. Stock des Turmes als Funker arbeitet und seine Kol­legen in den Stock­wer­ken da­run­ter errei­chen recht­zeitig die Luft­schutz­räume.

Die Flak war schon vor dem Zeit­punkt des An­griffs wieder abge­zogen worden.

Das Feld­berg-Plateau nach dem Angriff
Der Berggipfel bietet nach dem Angriff einen trost­losen An­blick. Das Foto ist von Walter Elkins, Florida

29. März 1945

In Schmitten hat eine Kompanie von Fahnen­junkern aus Weil­burg den Rück­zug eines Zugs der 6. SS-Gebirgs­divi­sion Nord abge­schirmt.

Der damalige Lehrer der Gemein­den Schmit­ten und Dorf­weil, Hein­rich Albert Jäger, berich­tet in der Schul­chro­nik, dass bei erbit­terten Kämp­fen in Schmit­ten 94 Ameri­kaner gefal­len seien. (Andere Zeit­zeugen sprechen von 89 bzw. 91 getöte­ten ameri­kani­schen Solda­ten.) Lehrer Jäger ist auch unmit­telbar betrof­fen, da seine beiden Töch­ter, sowie eine pol­nische Zwangs­arbei­terin und ein älterer Zivi­list von Gra­naten getötet werden. Auch 27 deut­sche Solda­ten ver­lieren an diesem Tag ihr Leben bei Häuser­kämp­fen in Schmit­ten. Eine unbe­kannte Anzahl Männer ster­ben in Laza­retten.

(Sehr aus­führ­lich be­schreibt Helmut Hujer in seinem 2020 edierten Buch „Das Kriegs­ende im Tau­nus“ die Ereig­nisse in den Taunus­gemein­den im Früh­jahr 1945. Es gelang ihm, auch amerika­nische Quel­len zu den Vor­gängen zu fin­den. Daher konnte er einige Zeugen­aus­sagen von damals bestä­tigen oder korri­gieren. Nach amerika­nischen Schil­derun­gen der Kämpfe um Schmit­ten sind „nur“ 36 US-Solda­ten getötet oder verletzt worden.)

Autor Helmut Hujer
Das Buch kostet Euro 12,-. Bestellen können Sie es unter: Hujer.Helmut@t-online

30. März 1945 Karfreitag

Panzer der US-Army, vermutlich eine Kompanie des III. Bataillon des 417. US-Infan­teriere­giments, rattern ohne einen Schuss abzu­geben durch Ober­reifen­berg. Ein Mann hatte sich mit weißer Fahne schüt­zend vor das Dorf gestellt.

Am 31. März 1945 (Oster-Samstag)

werden die ersten Häuser in Ober­reifen­berg be­schlag­nahmt, Haus Marta, Haus Reifen­berg, in der fol­gen­den Woche auch das Haus Sieg­fried und das Schüler­heim des Goethe-Gym­na­si­ums, das aber nie von US-Sol­daten belegt wird. Auch einige Privat­häuser müssen geräumt werden.

Karsamstag, 31. März 1945

Amerikaner besetzen das Pla­teau den Großen Feld­bergs. Das XX. US-Corps richtet dort eine Funk-Relais­station ein.

4. April 1945

Drei Wochen lang, bis zum 25. April, werden im „Haus Reifen­berg“ und im „Haus Marta“ eng­lische Pi­lo­ten ein­quar­tiert. Einer der Offi­ziere berichtet im „Haus Marta“: „Wir waren schon einmal hier und sahen Menschen in euren Liege­stühlen ruhen und dachten, da müssen wir unbe­dingt unseren nächsten Urlaub ver­bringen.“ Schwar­zer, eng­lischer Humor!

19. September 1945

Die amerika­nische Militär­regierung vereinigt die ehe­mali­gen preußi­schen Pro­vin­zen Kur­hessen und Nassau sowie den Volks­staat Hessen-Darm­stadt zum Land ­. Der Name wurde am 1. De­zem­ber 1946 in Hessen umbe­nannt. Der Große Feld­berg ist somit hes­sisch.

1947-50

Lichtnecker-Story
Pfannengericht am offenen Feuer Hermann Lichtnecker
Ein Kios wird gebaut
Ein Kiosk wird gebaut. Hermann Lichtnecker
Holzmann Turm
Der neue Holzmann-Fernseh-Turm Hermann Lichtnecker
Hanni und Hermann Lichtnecker
Hanni und Hermann Lichtnecker Hermann Lichtnecker

Die Familie Lichtnecker besaß in Wallern / Böhmerwald / Sudetenland eine Konditorei. 1946 wurde die Familie aus ihrer Heimat vertrieben und landete in Niederreifenberg. 1947 bauten die Lichtneckers auf dem Großen Feld­berg einen Kiosk, den sie 70 Jahre, von 1948 bis 2018, gemeinsam betrieben.

1948 / 49

In der Zeit des „Kalten Krieges“ betrieb die US-Armee eine Abhöreinrichtung auf dem Großen Feld­berg gegen ostdeut­schen und sowjetischen Funkverkehr. Als jahrelang jeweils 14 Tage im Jahr Funkverbindungen auch aus dem östlichen Russland empfangen werden konnten, glaubte man zunächst an eine Naturbesonderheit. Man stellte jedoch fest, dass zu dem jeweiligen Zeitpunkt ein Riesenrad auf einem Festplatz stand, das ent­fernte Signale reflektierte. Gegen Bezahlung ließ der Besitzer sein Riesenrad in den fol­gen­den Jahren längere Zeit auf dem Festplatz stehen.

Zur Zeit der Berlin-Blockade von Juni 1948 bis Mai 1949 waren übrigens im nahen „Haus Sieg­fried“ Rosinenbomberpiloten einquartiert.

Der Landesverband Bergwacht Hessen wird 1947 gegründet und schließt sich zwölf Jahre später der Bergwacht Hessen des Deut­schen Roten Kreuz an.

An Wochenende stehen hier Rettungsfahrzeuge
Im Winter besonders wichtig Mein Archiv

1949

lässt der Hessische Rundfunk den Aussichtsturm unter der Vorgabe, dass dieser auch als Antennenträger zur Abstrahlung des UKW-Programms dienen darf, von der Firma Holzmann wieder aufbauen.

1950

Richtfest am 20. Okto­ber 1950
Am 20. Okto­ber ist Richtfest. Verlag Ernst und Sohn Berlin 1954

Auch das Feld­bergfest findet erstmals nach dem Krieg wieder auf dem Feld­berg-Plateau statt.

Für die Deut­sche Post beginnt Holzmann ab Mai 1950 mit den Bauarbeiten am großen Fernsehturm. Zur besseren Abstrahlung der Programme sind jetzt die oberen 10 Stockwerke aus Holz.

Aus Holz, zur besseren Abstrahlung der Fensehbilder
Der Holzturm Susanne Eckermann Niederreifenberg

2. Okto­ber 1950

Das erste Feld­berg­rennen nach dem Krieg für Motor­räder, Sport- und Renn­wagen wird ausgetragen. Ab 1951 gehören die Rennen zur Deut­schen Straßen-Meister­schaft. Es sind nur noch Motor­räder zugelassen, weil Renn­wagen auf der schmalen Stre­cke kaum über­holen können. Zu den Siegern gehören die Welt- und Europa­meister: „Schorsch“ Meier, Wilhelm Noll - Fritz Cron, Werner Haas, H. P. Müller und Ewald Kluge.

Ab November 1951

geht ein Fernseh-Ver­suchssender in Betrieb und am 1. Weihnachtstag 1952 wird erstmals ein ausgestrahlt. (Ab 1983 wird kein Bedienungspersonal mehr nötig sein, denn gesteuert werden die digitalen Geräte vom Frank­furter Fernsehturm aus).

Was 1929, beziehungsweise 1936, in Deutsch­land begonnen wurde, kann erst jetzt fortgesetzt werden.

1952

Franz Bradler vom SCT Frank­furt, der 1954 bei den Deut­schen Alpine-Ski-Meister­schaften Flachland­meister in der Dreierkombination wird, stellt auf der „Großen Feld­berg-Sprungschanze“ mit 40 m einen neuen Rekord auf.

1952 Neue Pres­se
Frank­furter Neue Pres­se 1952

In den Wintern der 50er Jahre gibt es im Tau­nus noch reichlich Schnee. Auf dem Nordwest-Abhang des Feld­bergs, dem „Siegfriedschuss“ und der „Heimlichen Wiese“, werden sogar Bezirks- und Hessische Meister­schaften ausgetragen. Einen Lift gibt es nur auf der „Heimlichen Wiese“, nicht aber am „Siegfriedschuss“. An Schnee-Sonntagen werden Busse eingesetzt, die die Sportler nach einer Abfahrt bis zum Gasthaus „Weilquelle“ in Niederreifenberg wieder zum Feld­berggipfel bringen.

1953

Winter 1953 in Ober­reifen­berg
Winter 1953 in Ober­reifen­berg Ursula Großmann Ober­reifen­berg

1953

Carl Beuth
Der Heimatforscher Carl Beuth (1879-1953) stirbt in Ober­reifen­berg. Eigenes Foto
Großer Feld­berg im Tau­nus 1954
Großer Feld­berg im Tau­nus 1954 Foto Walter Elkins

Das Feld­berg-Plateau sonntags:

Ausflugsziel Gr0ßer Feld­berg
Anfang der 50er-Jahren ist sonntags das Feld­berg-Plateau ein stark frequentiertes Ausflugsziel. Hermann Lichtnecker

1955

Erb / Jordan gewinnen die Deut­sche Junioren­meister­schaft im Zweierbob auf der von Philipp Schneikert erbauten neuen Bobbahn zwischen Feld­berg und dem Schülerheim des Goethe-Gymnasiums bei Ober­reifen­berg.

26. Februar 1956

Hans Rösch wird auf der Feld­berg-Bobbahn Deut­scher Viererbob-Meis­ter vor Franz Schelle. Feld­bergpokal-Gewinner wird Olympia-Sieger Anderl Ostler im 2er-Bob. Im Bundes­archiv als Video zu sehen unter: //www.filmothek.bundesarchiv.de/video/583255?set_lang=de

1958

Das einzige, von den ehemals drei, verbliebene Gasthaus Sturm wird seit 1958 von dem Hamburger Paul Deeke bewirtschaftet.

Am Aussichtsturm
Am Aussichtsturm Susanne Eckermann

1963

Ab 1. April 1963 gibt es vom Großen Feld­berg aus ein zweites Fernsehprogramm, das ZDF.

1964

Ab 6. Okto­ber wird vom Fernsehturm des Großen Feld­bergs das 3. Hessische Fernsehprogramm ausgestrahlt.

18. Juli 1965

wird auf dem Großen Feld­berg eine Falknerei eröffnet. Mittlerweile ist sie die älteste in Hessen. Zu sehen sind ver­schie­de­ne Falkenarten, Habichte, Bussarde, Rotmilane, Geier, diverse Eulenarten, da­run­ter 5 Uhus. Bei gutem Wetter kann man Adler frei fliegen sehen.

1968

100 Jahre Taunusklub, mit dankbarem Gedenken an August Ravenstein.

1970

Ein Liftbetreiber legt die Nordabfahrt mit Kunststoff-Noppenmatten aus und ermöglicht sommerliche Skiabfahrten vom Großen Feld­berg bis zur Siegfriedstraße, die längste Kunststoffpiste der Welt. Die Eröffnung nimmt der hessische Minister Horst Schmitt am 11. November 1972 vor. Leider gehen aber Stürze auf den viel zu harten Noppenmatten nicht ohne Verletzungen ab. Knochenbrüche, Prellungen, Verbrennungen sind die Folge. Eine junge Dame wagt eine Abfahrt im Bikini, stürzt, ihr ganzer Körper ist voller Schürfwunden. Die einzige Sommer-Skiabfahrt Deutschlands scheitert an ihrer Gefährlichkeit. Die Kunststoffmatten sind auch nicht sehr haltbar und zerbröseln nach einigen Jahren völlig. Heute hat sich die Natur von dem Kunststoffangriff erholt. Sogar Heidekraut wächst dort wieder im August.

10. November 1972

Eine vom Flugplatz Egelsbach kommende zweimotorige Cessna stürzt am Nordhang neben der neuen Kunststoff-Skipiste in den Wald. Dabei kommen drei Menschen ums Leben.

1988

ist dann nach einem Brand des Schleppliftes auch das Ende des Winterbetrieb der Nordbahn besiegelt.

1994

Das Feld­bergfest besteht jetzt 150 Jahre.

1996

Das letzte der drei im 19ten Jahrhundert erbauten Feld­berghäuser, das Haus Sturm, wird abgerissen.

1998

Der Physikalische Verein Frank­furt am Main errichtet eine Sternwarte auf dem Kleinen Feld­berg. Sie trägt den Namen des langjährigen Vorsitzenden des Vereins Hans Ludwig Neumann.

1999

Das Hotel und Restaurant „Feld­berghof“ wird eingeweiht. Seit 2005 gehört er dem „Zweckverband Feld­berghof“, zu dem sich der Hochtaunuskreis und die Gemeinde Schmitten zusammengeschlossen haben. Pächter ist die Binding-Brauerei Frank­furt am Main. Bewirtschaftet wird das Haus von der Familie Stürtz.

Ein Raum des neuen Gebäudes ist eine Außenstelle des Standesamtes Schmitten im Tau­nus. Freitag ist Trautag.

Feld­berghof
Der neue Feld­berghof Eigenes Foto

2002

Es ist der Feld­berg im Tau­nus, auf dessen Gipfel der Herr seinem Knecht Robert Gernhardt erscheint, um ihm das 11. Gebot zu offenbaren, das zu Lebzeiten des Gottesknechtes Moses auf den Steintafeln keinen Platz mehr fand.

Es lautet: Du sollst nicht lärmen.

Zur Zeit der Geschehnisse auf dem Berge Sinai fehlte auch noch die dringende Erfordernis für dieses 11. Gebot, denn Hubschrauber, Laubbläser, Kehr­ma­schi­nen, Handys, Rasenmäher und die lauten Busse der Stadt Frank­furt am Main waren noch nicht erfunden, man kannte noch keine Pressluft und hämmernde Bässe in Autoradios. „In Zungen reden“, S. Fischer Verlag

März 2005

Der Limes (s. unter 200 n. Chr.) wird von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

März 2006

Das Feld­berg-Fest findet zum 150. Male statt. Susanne Eckermann / Niederreifenberg bringt aus diesem Anlass eine geschichtliche Aufarbeitung darüber heraus. Wer also wissen möchte, warum das Fest einige Male ausfiel und warum es manchmal auf der Stierstädter Heide oder in Frank­furt-Höchst oder sonst wo stattfand, der besorge sich hier das 80 Seiten starke Heft über die Geschichte des Feld­berg-Turnfestes: fam.eckermann@t-online.de.

März 2007

Obwohl der Fernmeldeturm mittlerweile unter Denkmalschutz steht, wird die 15 m hohe, nutzlos gewordene Fernsehantenne, von dem 53 m hohen Turm abmontiert. 26 Fernsehsender strahlen ihre Programme vollständig von dem hohen Stahlrohrmast des Hessischen Rundfunks in die Welt. Mehr darüber in Der Tau­nus von Eugen Ernst.

Alles Ungeheuer
2007 Ungeheuer-Nachfahren im Hochtaunus-Archiv Bad Hom­burg Ingrid Schneider

März 2009

Die Roemer sind wieder da.
Seit September 2009 stehen wieder drei römische Wachtürme auf dem Feld­berg. Susanne Eckermann

März 2011

Blick von der alten Spungschanze aus
Blick von der alten Sprungschanze aus in Richtung Bad Camberg Eigenes Foto
Karte vom Hochtaunus
1780 schuf der Mainzer Heinrich Hugo Cöntgen (1727-1792) diese interessante Kupferstich-Karte. Heinrich Hugo Cöntgen

Am 15. November 2011

wurde auf dem Großen Feld­berg ein Gipfelkreuz aufgestellt, am 20. November hat es Pfarrer Hanns-Jörg Meiller geweiht. Das Kreuz, 3,50 m hoch und 2,70 m breit, besteht aus Eisen, ist verzinkt und leuchtet deshalb in der Sonne. Das Zentrum bildet ein Tau­nus-Quarzit.

Das neue Gipfelkreuz am 15. November
Das Feld­berg-Gipfelkreuz wurde am 15. November 2011 aufgestellt. Susanne Eckermann

9. November 2014

Der Windparks Weilrod im Hintergrund
Der Windpark Weilrod im Hintergrund Im Hubschrauber aufgenommen von Susanne Eckermann
Ober­reifenberg
Burg Ober­reifen­berg vom Brun­hildis­felsen aus Eigenes Foto

1. April 2017

Feldberg, Lidge Feldberg und Alt King

Der 1965 gegrün­dete Feld­berg-Fal­ken­hof hat einen neuen Be­trei­ber: Chri­sti­an Wick.

Zu sehen sind etwa 30 ver­schie­dene Vo­gel­ar­ten: Fal­ken, Bus­sar­de, Ad­ler, Eu­len, Doh­len und La­chen­de Hän­se, aber auch einige Repti­lien und Frett­chen.

Eigenes Foto
Burg Reifenberg vom Brunhildisfelsen aus
Burg Reifenberg im Herbst vom Feldberg aus fotografiert Eigenes Foto
Gertrudis-Kapelle Reifenberg vom Brunhildisfelsen aus
In der Gertrudiskapelle Oberreifenberg ruht der Erzmainzer Domherr, Domherr zu Trier und zu Halberstadt, Erster Stadthalter und Rektor der Universität von Erfurt und letzter Reifenberger Ritter Philipp Ludwig von Reiffenberg (1617-1686). Auch seine Eltern Heinrich von Reiffenberg und Anna von Kronberg haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Eigenes Foto

2022

Das Neue Feld­berghaus
Aus „Feld­berghof“ wurde wieder „Feld­berghaus“. Gunter Meister
Jean und Christian Ungeheuer
Christian und Jean Ungeheuer, Wirte des „Alten Feld­berghauses“ Die Fotos dazu von Hansjörg Meis­ter
Plakat des Feld­bergrennens 1950
Holz­gestal­teter Raum, mit einer Erinne­rungs­ecke an die Motor­sport­tradi­tion rund um den Großen Feld­berg. Eigenes Foto
Plakat Feld­berg­rennen von 1953
Plakat von 1953 Die Fotos zu diesen beiden und weiteren sechs Plakaten stammen von Hansjörg Meister

3. Februar 2022

Nach zwei­einhalb­jähriger Sanier­ungs­zeit wurde der Feld­berg­hof wieder­eröffnet. Jetzt aber mit neuem Aus­sehen und neuem Namen, „Feld­berg­haus“, an alte Tradi­tion erin­nernd. Das Alte Feld­berg­haus war 1860 von den Haupt­initia­toren Fritz Emming­haus, August Raven­stein und dem künftigen Wirt Johann Anton Unge­heuer einge­weiht worden.

Das sanierte Haus hat eine 100% recycelte Holz­verscha­lung erhal­ten, auch holz­gestal­tete Innen­räume mit Erinne­rungs­ecken an das „Alte Feld­berg­haus“ und die Motor­sport­tra­dition rund um den Großen Feld­berg. Ein Geschenke-Laden mit regio­nalen Pro­dukten ist inte­griert, ebenso ein Hoch­zeits­zimmer. Der Kosten­auf­wand betrug etwa 3,5 Millionen Euro. Das Haus erinnert an Lodges in den Rocky Moun­tains.

Heute heißen die Eigen­tümer der Feld­berg-Gast­häuser nicht mehr wie damals Unge­heuer, Sturm, Hahn oder Geis, sondern Zweck­verband Feld­berg­hof (= Hoch­taunus­kreis und Gemeinde Schmit­ten). Pächter des Hauses ist die Binding-Brau­erei, Unter­pächter die Gast­rono­men Hedmar Schlos­ser sowie Carolin und Jens Fischer.

Die Vegetation in 880 Meter Höhe

Löwenzahnwiese
Löwenzahnwiese Eigenes Foto
Wacholderdrossel
Wacholderdrossel Eigenes Foto
Gold-Pippau
Der Gold-Pippau fühlt sich auf dem Großen Feldberg sehr wohl. Er kommt fast nur in Europa vor. In den Alpen findet man den Gold-Pippau in Höhen von 1.000 bis 2.900 Metern. Eigenes Foto
Gold-Pippau
Gold-Pippau Eigenes Foto
Sauerampfer
Teil der Frankfurter Grünen Soße: Sauerampfer Eigenes Foto
Distelfalter
Distelfalter, der Einwanderer aus Nordafrika ist einer unserer schönsten Schmetterlinge. Für seinen Nachwuchs braucht er Brennnesseln. Eigenes Foto
Weidenröschen
Weidenröschen Eigenes Foto
Glockenblumen
Glockenblumen Eigenes Foto
Sicht ins Tal
Fichten haben es hier oben nicht leicht. Eigenes Foto
hinten: Rainborn
Reifenberg und im Hintergrund Rainborn, das Dorf mit der tausendjährigen Linde Eigenes Foto
Greiskraut
Greiskraut ist giftig. Eigenes Foto
Rainfarn
Rainfarn Eigenes Foto

Auf dem Plateau stehen einige Mehlbeerbäume, die meisten eher buschförmig.

Mehlbeerbaum
Hier wächst aus der Wurzel eines ab­ge­stor­benen, ein neuer Mehlbeerbaum. Eigenes Foto

Gemahlen und mit Getreidemehl vermischt wurde früher aus seinen Früchten süßes Brot gebacken.

Edith
Blick ins Tal Eigenes Foto
Kreuz vor Abendhimmel
Gipfelkreuz vor Abendhimmel Eigenes Foto

2022

Januar-Idyll
Vier Januar-Impressionen Rolf Bickel
Januar-Idyll
Rolf Bickel
Januar-Idyll
Rolf Bickel
Januar-Idyll
Eine Zeittafel der Geschichte des Großen Feld­bergs, auch als PDF
2022: Eine Zeittafel der Geschehnisse auf dem Großen Feld­berg, auch als PDF Thomas Eckermann

2023

Ein neuer Spielplatz
An Ostern 2023 wurde auf dem Plateau des Großen Feldbergs der erweiterte Limes-Spielplatz eröffnet. Eigenes Foto

Und nun möchte ich noch von einem Phänomen berichten. Es betrifft eine bestimmte Wespenart, die vorwiegend in Gebäuden auf Bergkuppen zu finden ist.

Das Internet-Lexikon Wikipedia erwähnt Beobachtungen dieser Wespe in Gasthäusern und Kirchen auf Berg-Plateaus Oberbayerns, des Riesengebirges und auf Thüringer Bergen.

Und ich kann nun berichten, dass auch der Große Feldberg im Taunus zu den Bergkuppen zählt, die von der Gelben Schlupfwespe (Amblyteles armatorius), um die handelt es sich, bevorzugt wird. Ich habe sie jahrelang in den Sommermonaten vor und im „Feldberghof“ beobachtet.

Gelbe Schlupfwespe
Gelbe Schlupfwespe (Amblyteles armatorius) Eigene Aufnahme im Juli 2013 im Feldberghof

Auch dem Gastwirt waren offensichtlich diese besonderen Wespen aufgefallen, denn er beruhigte seine Gäste mit Flyern, auf denen „Unsere Wespen stechen nicht“ stand. Recht hatte er, denn die Gelbe Schlupfwespe hat keinen Giftstachel, sondern das bis zu 16 Millimeter lange Weibchen besitzt nur einen kleinen Legestachen, mit dem sie nicht einmal die menschliche Haut durchdringen könnte. Das tut sie aber bei der Raupe der „Hausmutter“, einem Eulenfalter, der oft nachts gern in die Häuser eindringt, um dort am folgenden Tag zu ruhen. Der schöne Falter wird also nicht umsonst „Hausmutter“ genannt.

Die Gelbe Schlupfwespe legt mit ihrem Legestachel ein Ei in die Hausmutter-Raupe ab und macht diese so zur Wirtin ihres Nachwuchses.

Zum Schluss

Es ist nicht leicht, ein Quellenverzeichnis zu schreiben. Schreibe ich nichts, dann impliziert dies, der Großteil des Wissens über das beschriebene Thema sei in der unerschöpflichen Tiefe meines Gehirns geboren. Dem ist natürlich nicht so.

Bei Bildern und Texten, die mir liebe Menschen zugeschickt haben, ist die Quellenangabe natürlich unkompliziert. Aber bei den geschichtlichen Texten? Meine historischen Kenntnisse habe ich natürlich irgendwo her, aus Archiven, Lesungen, aus Unterhaltungen mit anderen Personen. Sie haben mir ihr Wissen weitergegeben. Oft habe ich nur nachrecherchiert und aufgeschrieben. Es ist gar nicht so leicht, sich zu erinnern, wer diese Personen jeweils waren, die mit mir über geschichtliche Ereignisse gesprochen haben und über welche Ereignisse? Und wer wiederum hat es denen, die es mir erzählt haben, berichtet? Und von wem hat es jener oder jene erfahren? Oder habe ich darüber gelesen? In welchem Buch, in welcher Zeitung? Von wem geschrieben oder nur abgeschrieben? Bei wem?

So gesehen waren hunderte Personen an dieser Feldberg-Chronik beteiligt. Ich bin nur der Zwerg auf den Schultern von Riesen.

Hier ist einer der Riesen:

Literatur: Helmut Bode: Das Feld­berg-Buch, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1985, ISBN 978‑3‑7829‑0303‑5