Großer Feldberg im Taunus

Der Aussichtsturm 1903 und 2008

Der Feldberg - Aussichtsturm 1904 und 2008

Ereignisdaten der Geschichte des Großen Feldbergs im Taunus.
Von Hansjörg Meister, dem Ururenkel des ersten Wirtes des Alten Feldberghauses.

Die Feldberg-Geschichten
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Feldbergrennen

Vor 320 Millionen Jahren,

im Karbon-Zeitalter, faltete sich bei der Kollision der Urkontinente Gondwana und Laurussia, sowie einiger Kleinkontinente, das gewaltige Variszische Gebirge auf, mehrere tausend Kilometer lang und vermutlich den höchsten Bergen, die es jemals auf der Erde gab.

Das heutige Deutschland wurde auf dem neu entstandenen Superkontinent Pangäa erstmals vereinigt, denn zuvor war jeweils ein Teil davon auf Gondwana und Laurussia. Die Kollisionslinie lag auf Äquatorhöhe, heute liegt sie auf dem 50. Breitengrad.

Das Rheinische Schiefergebirge mit seiner höchsten Erhebung, dem Großen Feldberg im Taunus, 879,5m ü. NN , gehört zu den Resten dieses vor 320 Mio Jahren entstandenen Hochgebirges. Da Pangäa vor 150 Mio Jahren in die heute bestehenden Kontinente zerlief, sind nicht nur in Europa Reste des Variszischen Gebirges zu finden, sondern auch in Asien und Amerika (Appalachen).

Heute ist auf dem Großen Feldberg neben den Türmen und sonstigen Gebäuden der Brunhildisfelsen aus Quarzitgestein ein markanter Aussichtspunkt.

500 bis 100 v. Chr. La Téne- oder Eisenzeit

Die Kelten nannten den Großen Feldberg "Daun" (oder "Dun"), was so viel wie "die befestigte Anhöhe" bedeutete. Auf dem Feldberg-Plateau fehlen jedoch keltische Spuren, doch die Ringwälle (ca. 400 bis 100 v. Chr.) auf dem Altkönig (Helmut Bode: keltisch ´alkin` = Höhe) und das Heidetränke-Oppidum an der ´Hohe Mark` (3./2. Jh. v. Chr.) zeugen von ihrer Präsenz im Taunus. Die Kelten verließen das Oppidum bereits wieder um die Mitte des 1. Jh. v. Chr., die Gründe dafür sind nicht bekannt. Als die Römer den Taunus besetzten, war die Kelten-Stadt längst verlassen.

Erstes Jahrhundert n. Chr.

Bei Tacitus (58 bis 120 n. Chr.), dem römischen Geschichtsschreiber, hießen unsere Berge bereits "Taunus".

Die Einheimischen jedoch, die die Bergkette stets vor Augen hatten, sprachen bis ins 20. Jahrhundert von der "Höhe". So führten einige Städte und Dörfer diese Zusatzbezeichnung im Namen: Bad Homburg vor der Höhe, Rodheim vor der Höhe und Rosbach vor der Höhe.

83 nach Chr.

weitete Kaiser Titus Flavius Domitianus (51 - 96 n. Chr.) das römische Einflussgebiet jenseits des Rheins nach Osten aus. In den von ihm begehrten Gebieten lebten germanische Chattenstämme, im Raum Wiesbaden/Taunus speziell die Mattiaker, die meist ebenfalls als ein Teilstamm der Chatten beschrieben werden. Domitians Truppen eroberten ostrheinische Gebiete in Höhe von Mainz (Mogontiacum), Gebiete im Taunus, das Gießener Becken und die gesamte fruchtbare Wetterau.

150 n. Chr.

Der Taunus- und Wetteraulimes entstand.

Unterhalb des Kleinen Feldbergs an der Weilquelle wurde das Feldberg-Römerkastell gebaut, Größe 78 x 93m. Es wurde von einer ca.160 Mann starken Aufklärungstruppe, der Exploratio Halicanensium aus Ungarn belegt.

Der vermutlich erste Turm auf dem Großen Feldberg war ein römischer Limes-Wachturm, dessen Reste auch heute noch in nordöstlicher Richtung etwas unterhalb des Gipfels zu finden sind.

Die einheimische Bevölkerung nahm allmählich römische Lebensgewohnheiten an.

Es ist meistens leichter, Aussagen über das Leben der keltischen Kultur zu machen, als über das der Germanen. Die Kelten haben uns die Reste des Oppidums bei Oberursel und die Steine ihrer Ringwälle im Taunus hinterlassen, die Germanen hingegen bevorzugten zum Bau ihrer Häuser vorwiegend vergängliche Materialien wie Lehm und Holz. Holzpfosten hinterlassen zwar Erdverfärbungen, dennoch bleiben nur wenige Belege germanischer Existenz im Taunus. Hier sind wir auf die Niederschriften römischer Geschichtsschreiber angewiesen, die allerdings aus der Sicht der Sieger gefärbt sind.

4. Jahrhundert

Die Franken besiedelten nach dem Untergang des Weströmischen Reiches den Taunus. Auch von ihnen konnten keine Spuren im Feldberg-Gebiet entdeckt werden, denn auch dieses germanische Volk hat erst um 800 n. Chr. Steinhäuser gebaut.

3. bis 6. Jahrhundert

Durch Dendrochronologie (Baumringdatierung) mit Proben von über 10000 Eichen aus Schweden, Finnland, Frankreich, Deutschland, Österreich, Italien, haben Wissenschaftler herausgefunden, dass das Klima ab 250 n. Chr. verrückt spielte, es war für über 300 Jahre deutlich kälter und die Niederschläge waren um 70% höher als zuvor. Man nimmt an, dass diese Klimaänderung die Völkerwanderung von Nord nach Süd einleitete und den Niedergang des Römischen Reiches beschleunigte.

Ganz Europa war in Aufruhr, die germanischen Völker (Vandalen, Ost- und Westgoten, Langobarden und andere) drangen nach Süden vor, suchten neue Siedlungsgebiete und nahmen Völkern, die dort gelebt hatten, die Freiheit. Aus dem Osten kamen 375/376 die Hunnen und versetzten alle Menschen in Angst und Schrecken. Den Taunus dominierten jedoch die Franken.

535/536

ließen mehrere Naturereignisse das Erdklima durch Asche- und Staubpartikel in der Atmosphäre für fast hundert Jahre um geschätzte 3-4° sinken: der Ausbruch des Ilopango-Vulkans im heutigen El Salvador, des Proto-Krakatau-Vulkans im heutigen Indonesien und zwei in Erdnähe nördlich von Australien explodierende Kometen (Kanmare, 18km Durchmesser, 572 n. Chr., und Tabban, 12km Durchmesser, 586 n.Chr.).

Folge: Ernten blieben aus, die Menschen hungerten, ein Drittel der Europäer starben an der Pest und anderen Seuchen.

575 n. Chr.

wurde der austrasische König Sigibert I (535-575) von seinem Halbbruder und König von Neustrasien (Westfrankenreich) Chilperich I und dessen Kunkubine Fredegunde ermordet. Um Fredegunde ehelichen zu können, hatte Chilperich zuvor seine erste Ehefrau ermorden lassen.

Thronfolger für Austrasien (Ostfrankenreich, Hauptstadt Metz!) war Sigiberts Sohn Childebert II (570-596). Da der Junge erst fünf Jahre alt war, führte die Ehefrau Sigiberts Brunichildis die Regierungsgeschäfte. Childeberth starb 596 plötzlich. Mord? Nun war dessen Sohn Theudebert II (585-612) dran, auch erst elf Jahre alt, Brunichildis führte weiterhin die Regierungsgeschäfte. Ihr netter Enkel ermordete indes seine erste Frau Bilichildis eigenhändig, um Teudechilde heiraten zu können. Deren Sohn Merowech wurde als Säugling 612 von Vaters Feinden umgebracht.

Theudebert II und zwei seiner Söhne wurden 612 von seinem jüngeren Bruder Theuderich II (587-613), König von Burgund, ermordet. Nur ein Jahr regierte er von Metz aus über Burgund und Austrasien, dann starb er überraschend im Alter von 25 Jahren.

Brunichildis erhob ihren Urenkel Sigibert II. (602-613), den ältesten Sohn Theuderichs auf den Königsthron Austrasiens. Das veranlasste Chlothar II (584-630)von Neustrien, den 11-jährigen Jungen und dessen Bruder zu ermorden.

Wenige Wochen später ließ er auch Brunichildis (548-613) gefangen nehmen und von einem Pferd zu Tode schleifen.

Nicht einmal Raymond Chandler oder Edgar Allen Poe hätten sich eine solche Kriminalgeschichte ausdenken können, keiner der Männer hat das 45ste Lebensjahr erreicht. Und für alle hat Brunichildis nach dem Tod ihres Ehemanns die Regierungsgeschäfte geführt: für Sohn, Enkel und Urenkel.

Und was hat nun dieser Kriminalfall vor 1400 Jahren mit dem Großen Feldberg zu tun?

Austrasien (Ostfranken) mit der Hauptstadt Metz reichte damals von dem heutigen Utrecht im Norden bis Basel im Süden und von Ostende im Westen bis Kulmbach am Frankenwald. Der Große Feldberg im Taunus lag mittendrin.

Durch den gewaltsamen Tod der Brunichildis, bildeten sich rasch Legenden um sie. Sie wurde zur mythologischen Gestalt, der man allerlei Wunderdinge zusprach. Viele glauben, dass die Brunhild der Nibelungensage in Wahrheit Brunichildis ist und dass sie auch die Vorlage zur Brunhildis-Sage ist:

Nicht hinter Rosensträuchern wie Dornröschen, sondern hinter einer Flammenwand schläft die Walküre hier auf ihrem Brunhildisfelsen bis der Held Sigurd sie erweckt.

Wir überspringen ein paar Jahrhunderte.

1043

wurden in einer Urkunde des Erzbischofs Bardo von Mainz der Feldberg (veltperg) und der Brunhildisfelsen (lectulus Brunhildae / das Bett der Brunhilde) erwähnt.

Veltperg, Nantosvelta! Nantosvelta nannten die Kelten eine ihrer Göttinen. Man weiß, dass sie an besonderen Orten (Bäumen, Felsen, Quellen) ihre Götter verehrten. Warum also nicht auch hier oben auf dem Berg mit seinem Quarzit-Felsen.

Brunhildisfelsen
Der Brunhildisfelsen 2008

1205

Ab diesem Jahr hätte man vom Brunhildisfelsen aus den Baubeginn der Reiffenberger Burg beobachten können. Mit Cuno von Reiffenberg entstand die Herrschaft Reiffenberg, die bis

1667

bestand. Während seine Truppen die Burgen Reiffenberg und Hattstein besetzten, ließ der Mainzer Erzbischof den letzten Reiffenberger Ritter Philipp Ludwig in Würzburg gefangen nehmen und zunächst auf der Festung Marienburg, später auf der Burg Königstein, einkerkern. Philipp Ludwig von Reiffenberg starb 1686 nach 18-jähriger Kriegsgefangenschaft. Sein Schwager Graf von Bassenheim übernahm den Besitz.

1730

wurden die sterblichen Überreste des Ritters Philipp Ludwig in die 1710 erbaute Hl. Kreuz-Kapelle/Oberreifenberg überführt.

Mit Goethe steigen wir um ins Präsens: 1763

besteigt der 14-jährige Goethe mit anderen jungen Leuten aus Frankfurt den Feldberg. In Dichtung und Wahrheit erwähnt er auch Ausflüge nach Homburg, Kronberg (Kroneburg) und Königstein.

1766

Zur Zeit des Siebenjährigen Krieges herrscht im Taunus bittere Armut. Viele Söhne suchen in den Städten nach Erwerbsmöglichkeiten.

1766 wandern ca. 20 Reifenberger Bürger/innen in die Gegend von Astrachan an der Wolga aus. Seit 1722 wirbt Zarin Katharina II Westeuropäer zur Besiedelung russischer Steppengebieten an. Sie verspricht ihnen Land, freie Religionsausübung, 30 Jahre Steuerfreiheit, Militärfreiheit und Selbstverwaltung.

1783-84

Dieser Winter, und auch der folgende 1784-85, sind extrem kalt und schneereich. Im Januar ist es auf dem Großen Feldberg bis zu -30° Grad Celsius kalt. Im Sommer zuvor waren auf Island (Laki-Ausbruch: 15km³ Lava flossen aus der Kraterreihe und verteilte sich auf einer Fläche von 565km². 120 Mio. Tonnen Schwefeldioxid vergifteten Äcker und Weiden) und in Japan (Asama) Vulkane ausgebrochen, die für zwei bis drei Jahre die Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel der Erde durch eine Schwefelgas-Asche-Wolke verringerte. Die Folge: Missernten in ganz Europa, auf den ohnehin kargen Böden des Hochtaunus starke Ernteausfälle.

18.10.1814

An diesem Tag steht Ernst Moritz Arndt (1768 - 1860) auf dem Brunhildisfelsen und hält eine Rede ans Volk. Mehrere Tausend Menschen sind an diesem 18. Oktober 1814 auf den Feldberg gekommen, um dort den ersten Jahrestag des Sieges über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig zu feiern. Am Abend brennen auf dem Feldberg und auf vielen Taunus-Anhöhen Freudenfeuer. Es sind mehrere hundert.

Vor einem Jahr hatten erstmals die größten deutschsprachigen Länder (mit Ausnahme von Sachsen) in einer Allianz mit Russland und Schweden nicht gegeneinander, sondern miteinander gegen einen gemeinsamen Gegner gekämpft. 92000 Soldaten starben.

Ernst Moritz Arndt 1815
Aus Helmut Bodes "Das Feldberg-Buch", Verlag Waldemar Kramer

1815

Auf nun folgenden dem ´Wiener Kongress` unterzeichnen 41 Fürstentümer und freie deutsche Städte die Verträge zum "Deutschen Bund". Napoleon hat ungewollt erste Anfänge zur Bildung eines deutschen Staates gefördert. Er hat bei denen, die gegen ihn kämpfen mussten, Zusammengehörigkeitsgefühle geweckt. Allerdings bleiben Neuordnungspläne des Freiherren vom Stein für einen engeren Zusammenschluss der deutschen Staaten noch unberücksichtigt. Die übrigen europäischen Staaten fallen wieder in alte Alleinherrscherstrukturen zurück.

Arndt, Schriftsteller und später Alterspräsident der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche, hofft jetzt, wie eine Reihe anderer Intellektueller, auf eine baldige Vereinigung der deutschen Staaten nach Leitsätzen der ´Französischen Revolution` in ihren Anfängen von 1789.

Aber noch wollen die regierenden Fürsten nichts von ihrer Macht abgeben. Wer sich für eine von der Willkür der Fürsten befreite Staatsform einsetzt, der wird verfolgt.

Georg Büchner gründet die ´Gesellschaft für Menschenrechte` und verfasst eine Flugschrift ´Friede den Hütten, Krieg den Palästen` und muss 1835 nach Straßburg fliehen.

1816

ist das ´Jahr ohne Sommer`. Der Tambora aus Sumbawa (heute Indosenien) bricht aus, die Auswirkungen ähneln denen der Jahre 1783/84. Die Durchschnittstemperaturen sinken um fast 4°. Wieder Missernten! Die knappen Lebensmittel werden für die nächsten drei Jahrzehnte teurer, wieder hungernde Menschen, eine Auswanderungswelle nach Nordamerika, Südrussland, Bessarabien, Krim, Georgien und in den Kaukasus ist die Folge. Genauere schriftliche Aufzeichnungen über die Auswirkungen im Taunus fehlen.

1832

gehört Hambach bei Neustadt an der Weinstraße zum Wittelsbacher Machtraum. König Ludwig I verbietet alle politischen Versammlungen. Deshalb treffen sich 30000 Menschen zu einem ´Volksfest`, dem ´Hambacher Fest`. Die Teilnehmer fordern ein vereinigtes Deutschland, Freiheit und Demokratie. Was diese Ereignisse mit dem Feldberg zu tun haben, das lesen Sie bitte weiter unten.

1837

setzt der König von Hannover gleich zu Regierungsbeginn die Verfassung außer Kraft. Jacob Grimm (1785-1863), später Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung von 1848, ist zu dieser Zeit, wie auch sein Bruder Wilhelm (1786-1859), Professor an der Universität Göttingen. Die Brüder und fünf weitere Professoren werden 1837 entlassen und des Landes verwiesen, als sie einen Protest gegen diesen Rechtsbruch formulierten.

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass deutsche Intellektuelle aus ihrem Heimatland vertrieben werden.

Man muss die Zeit verstehen, um die folgenden Aktivitäten auf dem Großen Feldberg verstehen zu können.

20.1.1842

Fritz Emminghaus aus Usingen ruft in dem Beiblatt des "Frankfurter Journals" zum Bau eines Aussichtsturmes auf dem Feldberg auf. Bereits am 5. Februar 1842 gründen 23 Frankfurter, unter ihnen der Verleger August Ravenstein, und zwei Homburger eine "Commission für Erbauung eines Hauses auf dem Feldberg". Man einigt sich auf ein Haus mit integriertem Turm.

1843

beschreibt der Pfarrer, Dekan und Schulinspektor Christian Daniel Vogel die Aussicht vom Feldberg in südlicher Richtung wie folgt:

Man siehet hier den Rhein wie einen Silberfaden von Straßburg her kommen, den Main kann das Auge bis Aschaffenburg verfolgen, und die ganze herrliche Gegend liegt wie eine Landkarte zu unseren Füßen, auf der man 12 Städte und gegen 100 Dörfer zählen kann.

Die durch die Industrialisierung verursachten Schwebstoffe in der Luft haben diesen Ausblick in die Ferne gänzlich zunichte gemacht.

Am 20. Juni 1844

findet auf dem Feldberg ein Volks- und Turnfest statt. Es werden Gelder für das geplante Feldberghaus gesammelt. Musik- und Gesangvereine spielen auf, die Jugend von Reifenberg trägt unter der Leitung ihrer Lehrer "schöne Lieder" vor. Ab 21h30 ist der Gipfel bengalisch beleuchtet. Wirte aus Königstein, Kronberg, Oberursel und Homburg bieten Getränke und Bratwurst an, die Festwirtschaft hat Johann Anton Ungeheuer (1821 - 1910) aus Reifenberg übernommen. Der wichtigste Ideengeber zu alledem ist August Ravenstein.

1845

Das Feldbergfest wird unter Ravensteins Vorsitz als Turnfest fest installiert, muss aber

1848/49

wegen der Reaktion des herrschenden Adels auf das Bestreben des Paulskirchen-Parlaments in Frankfurt, aus den vielen Kleinstaaten ein Gesamt-Deutschland zu machen, mehrmals ausfallen. Der Landgraf von Homburg verbietet zehn Jahre lang das Betreten seines Feldberg-Drittels. An den Feldbergfesttagen lässt er zeitweilig 200 Soldaten aufmarschieren, die seinen Besitz absperren.

Die deutschen Landesherren fürchten die von Turnvater Friedrich Ludwig Jahn gegründete Turner- und Wanderbewegung, die von Anfang an politisch-militärisch motiviert ist. Sein Ziel ist es, die Jugend auf den Kampf gegen die französische Besatzungsmacht vorzubereiten und ein geeintes Deutschland zu schaffen.

Beim Wandern können die jungen Leute frei reden. Sie entziehen sich auf diese Weise der Kontrolle der Obrigkeit in den Städten, wo Versammlungen nicht erlaubt sind. Ähnlich den griechischen Philosophen (Platon, Epikur) und deren Schüler trifft man sich vor der Stadt. In unserem Fall ist der Feldberg ein beliebtes Ziel.

Die patriotischen Forderungen der Bewegung, die Kleinstaaten in einer demokratischen Republik zu vereinen, die den Menschen Freiheit und uneingeschränkte Bürgerrechte garantiert, geht den Potentaten zu weit. Jahn, der auch Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung ist, verbringt fast sechs Jahre seines Lebens in Gefängnissen.

Die anderen beiden Anteile des Feldberg-Plateaus gehören der ´Freien Reichsstadt Frankfurt` und dem Herzogtum Nassau.

Die Aristokraten haben Angst, Einfluss und Besitztümer zu verlieren. Die Mächtigen schikanieren die "Bürger", die sich so allerdings nicht mehr nennen dürfen, sie sind jetzt nur noch "Untertanen".

Sieben Millionen Menschen wandern in der Zeit von 1814 bis 1914 aus deutschen Staaten aus, die meisten nach Amerika. Die Gründe hierfür sind Hunger (Weber) und Verfolgung durch die regierenden Monarchen. 80 000 deutsche Frauen und Männer arbeiten in Paris zu Niedrigstlöhnen, aber immerhin haben sie eine Arbeit.

Berühmte Dichter emigrieren oder flüchten ins Exil: Ferdinand Freiligrath (1810-1876), Heinich Heine (1797-1856), unter dessen Loreley-Lied während der Nazizeit in den Liedertextbüchern ´Dichter unbekannt` stand, Ludwig Börne (1786-1837) und Hoffmann von Fallersleben (1798-1874). Von ihm stammt der Text unserer heutigen Nationalhymne, ´Einigkeit und Recht und Freiheit`.

1849

Das Feldbergfest findet in diesem Jahr auf dem Fuchstanz statt.

Aus Reifenberg wird Oberreifenberg und Niederreifenberg: Bürgermeister von Oberreifenberg wird Johann Anton

Ungeheuer (*1821, +1910), sein älterer Bruder Johann (*1812, +1893) wird Bürgermeister von Niederreifenberg.

Oberreifenberg

Getrennt: Ober- und Niederreifenberg

Niederreifenberg

1852-53

wird die 1828 errichtete Holzhütte auf dem Plateau durch eine neue ersetzt. Aber auch diese Schutzhütte für Wanderer fällt bald darauf der rauen Witterung zum Opfer.

1853

erstellt Johann Anton Ungeheuer, dem Besitzer des Hauses Ungeheuer in Oberreifenberg (heute Haus Reifenberg) und zugleich Bürgermeister der Gemeinde, mit der "Commission für die Erbauung eines Hauses auf dem Feldberg" einen gemeinsamen Bauplan. Mit dem Bau selbst kann aber noch nicht begonnen werden, weil der Herzog von Nassau das Vorhaben fünf Jahre lang blockiert.

Bürgermeister von Oberreifenberg J.A.Ungeheuer
Johann Anton Ungeheuer im Kreis von acht seiner elf Enkel/innen
Aufnahme von 1909

Der Wille, das Haus zu bauen bleibt bestehen. Die Männer brauchen es. Auf ihren Wanderungen durch die Wälder des Taunus hinauf zum Feldberg können sie sich der allgegenwärtigen Staatsgewalt entziehen und politisieren. Eine Wanderbewegung entsteht.

1855

wird ersatzweise eine größere Bretterhütte am Brunhildisfelsen gebaut, deren Bewirtschaftung Johann Anton Ungeheuer übernimmt. Ungeheuer ist auf einem Bild des Malers Heinrich Gustav Adolf Schmitz (1825 -1894) zu sehen. Von diesem Bild existiert nur noch eine Fotografie, weil das Original 1931 im Münchener Glaspalast verbrannte. In der Bretterhütte legt die "Commission" ein Fremdenbuch aus, in das sich die Besucher eintragen können. August Ravenstein ist darin mehrfach vertreten:

Bei tiefem Schnee und Eis am zweiten Januar
Begann der Taunusclub hierselbst das neue Jahr.
Bewahr der Herr das Haus vor Sturm und Brand,
Und dieses Buch vor schmutz'ger Frevler Hand.
Bescher' dem Wandrer ein gut Quartier,
Herr Ungeheuer stets, das wünschen wir.
Aus Helmut Bodes Das Feldberg-Buch

1858

hat die Hausbau-Commission 2800 Gulden Spendengelder zusammen, sogar der Herzog von Nassau leistet einen Beitrag. Man kauft jetzt von der Gemeinde Oberreifenberg zwei Morgen Land zu je 50 Gulden, um das Haus auf Nassauer Boden zu errichten. Den ursprünglichen Plan, das Haus mit integriertem Turm auf dem höchsten Punkt des Berges zu errichten, vereitelt der Homburger Landgraf. Er verweigert die Baugenehmigung.

1859

stirbt der Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859). Er hat den Taunus "das schönste Mittelgebirge der Welt" genannt. Gefunden von Prof. Eugen Ernst.

Am Sonntag, den 26.6. kann August Ravenstein endlich den Grundstein zum Bau des Feldberghauses legen, das nach einem Riss des Architekten Velde aus Diez, der schon 1853 den Bau der neuen Oberreifenberger Georgskirche leitete, gebaut werden soll. Die Gesamtkosten sollen 5000 Gulden nicht übersteigen.

Nach dem Gesang der festlich geschmückten Oberreifenberger Schuljugend hält August Ravenstein die Festrede und der Professor der Baukunst am Städelschen Institut Friedrich Maximilian Hessemer trägt sein zu diesem Anlass verfasstes Gedicht vor, das 17 Strophen umfasst. In seiner gereimten Ansprache kommt dreimal das Wort ´Vaterland` vor und ist nur vor dem Hintergrund des Scheiterns der Revolution 1848/50 und den nachfolgenden Unterdrückungen und Bedrückungen der Menschen zu verstehen, die immer noch auf ein geeintes Deutschland hoffen. Eine dritte Rede folgt. Der Nagelschmied Friedrich Marx aus Arnoldshain hält sie.

1859-60

Die Bauzeit beträgt unter schwersten Bedingungen 14 Monate. Der Große Feldberg ist noch nicht erschlossen. Keine Straße führt nach oben, nur schmale Wege und Pfade, ähnlich wie das heute noch am Altkönig der Fall ist. Mit Pferdefuhrwerken holt man die Bausteine heran. Um die mühseligen Wege zu verkürzen, kauft man in Reifenberg noch verwendbares Baumaterial von abgerissenen Häusern, Scheunen und Ställen auf.

Das ´Alte Feldberghaus` mit integriertem Turm wurde 1859/60 erbaut

Am 12. August 1860

weiht Ravenstein das Feldberghaus ein, das ein Gastzimmer und zehn Schlafstellen und einen 40 Fuß (13m) hohen Turm hat. Natürlich hält er auch die Festrede, in der er von einem gemeinnützigen vaterländischen Werk spricht. Am Schluss übergibt er Haus und Gelände samt allen darauf ruhenden Lasten und Gerechtsamen an Johann Anton Ungeheuer, der die Bewirtschaftung und die Restfinanzierung übernimmt.

Es folgen weitere Redner, darunter Fritz Emminghaus aus Usingen und der Nagelschmied Friedrich Marx aus Arnoldshain.

Ein Problem bleibt allerdings ungelöst. Es gibt kein Wasser auf dem Feldberg, und so muss in den nächsten Jahrzehnten jeden Tag ein Hotelangestellter mit einem Hundegespann hinunter zur Weilquelle am Numerus-Römerkastell Kleiner Feldberg fahren, um einige Kannen Wasser zu holen.

Das "Alte Feldberghaus" wird 35 Jahre allein auf dem Plateau des Großen Feldbergs stehen. Dann gibt es 1895 und 1899 Konkurrenz.

1861

Die Schikanen gegen die Turner, Sänger und zuschauende Besucher des Feldbergfestes gehen weiter. Der Landgraf von Hessen-Homburg lässt auf seinem Drittel des Feldberg-Plateaus Fichten pflanzen.

1866

verkündet Wilhelm I. die Eingliederung der Landgrafschaft Hessen-Homburg, des Herzogtums Nassau und der bis dahin freien Stadt Frankfurt in das Königreich Preußen. Und somit finden die Spiele

1867

erstmals auf preußischem Boden statt.

1868

gründet Ravenstein im ´Alten Feldberghaus` die erste deutsche Touristen-Vereinigung, den ´Bund der Feldbergläufer`. Der Verein nennt sich jedoch bald "Taunusklub" und sieht sich nicht nur als Wanderverein, sondern seine Mitglieder bauen auf vielen Berggipfeln Aussichtstürme, errichten Schutzhütten, legen Wege an und markieren sie. Als besonders wichtig erweisen sich die sozialen Dienste des neuen Klubs. Man versorgt notleidende Menschen im Hintertaunus mit Kartoffeln und Saatgut, man installiert eine Korbflechterschule in Grävenwiesbach und die Lehrerin Emilie Seipp aus Frankfurt lehrt Frauen aus Ober- und Niederreifenberg die Filet-Kunst.

1868
Das ´Alte Feldberghaus`, gefunden von Susanne Eckermann

18.1.1871

im Feldberghaus feiern Mitglieder des Taunusklubs die Proklamation Wilhelms des I. zum Deutschen Kaiser. Erstmals ist Deutschland geeint. Es wird einen Reichstag geben, allerdings dürfen nur Männer wählen, die älter als 25 Jahre sind. Das Parlament darf nur mitbestimmen. Es ist noch ein weiter Weg bis zu einer funktionstüchtigen Demokratie.

1871

Fritz Emminghaus, Mitbegründer der Feldbergfeste und Initiator des Baus des Feldberghauses, ist tot.

Das Feldberghaus muss bereits um 115 m² erweitert werden. Der Turm ist bereits baufällig und wird abgebaut. August Ravenstein ist Gast bei der Einweihungsfeier des Anbaus am 25.8.1872.

Altes Feldberghaus nach dem Erweiterungsbau
Das Alte Feldberghaus wird bereits 1871/72 erweitert

1874

wird hauptsächlich von italienischen Gastarbeitern die sogenannte Kanonenstraße Oberursel - Sandplacken - Schmitten am Feldberg vorbei gebaut. Dorthin führen, neben einigen Wanderpfaden, nach wie vor nur Schotterwege vom Roten Kreuz und vom Sandplacken her.

1875

An 17. Juni wird auf dem Feldberg Katharina Ungeheuer geboren, eine von sechs Töchtern des Feldberg-Wirtes. Sie wird später den Bürgermeister von Oberreifenberg Theodor Bonaventura Sauer heiraten.

Im Juli wird das Feldbergfest wegen eines Gewitters abgebrochen und im August auf dem Neroberg in Wiesbaden wiederholt.

1878

Das Jubiläumsfeldbergfest wird vom Landrat in Bad Homburg zunächst verboten. Es werden sozialdemokratische Aufmärsche befürchtet. Angesehene Turner aus Frankfurt erreichen unter strengen Auflagen die Rücknahme des Verbots. 40 ältere Turner müssen dafür sorgen, dass nicht in geschlossenen Trupps marschiert wird, dass keine Corporationen aufziehen, dass das Mitführen von Fahnen, Trommeln und Musikinstrumenten unterbleibt. Die 40 ordnenden Turner müssen aus Frankfurt, Wiesbaden, Homburg und Usingen sein, auf keinen Fall jedoch aus Offenbach, Hanau oder Höchst.

22.6.1879

Das Feldbergfest muss wegen schlechten Wetters in Höchst am Main auf der Wörthspitze stattfinden. Preisverleihung im Bürger-Casino.

1880

Auf Betreiben August Ravensteins werden über 20 Schwesternstationen eingerichtet. Die Dernbacher Ordensfrauen pflegen in den Taunus-Dörfern Kranke und ihre Häuser sind zugleich Kindergärten.

1881

Der Taunusklub versorgt 13 Taunus-Gemeinden, darunter alle Hochtaunusdörfer, mit Saatkartoffeln, Lebensmitteln und Sachspenden.

Der Verleger August Ravenstein
Verleger August Ravenstein

1881

stirbt August Ravenstein (72), Verleger, Gründer des Feldbergfestes, des Taunusklubs und Mitbegründer des Frankfurter Palmengartens.

Gottlieb Schnapper-Arndt (* 1846 in Frankfurt am Main, + 1904 in Halberstadt) lebt 1881 ein Jahr lang mit den Bewohnern der fünf Hochtaunus-Dorfgemeinden. Er betreibt dort statistisch-soziologische Feldforschung. Später schreibt er in Tübingen seine Dissertation darüber und veröffentlicht sie. Er ist damit der Begründer dieser Sparte der Soziologie.

Schnapper-Arndt beschreibt in seinen Aufzeichnungen die für heutige Verhältnisse unfassbare Armut der Menschen, die trotz 16-stündiger Arbeit in kleinen Nagelschmieden, beim Filetknüpfen, Haarklemmenstecken oder der Feldarbeit kein Auskommen finden. Auch Kinder arbeiten 16 Stunden am Tag, nur von vier Schulstunden unterbrochen.

Im Hochtaunus gibt es 1881 295 Nagelschmieden. Für einen Nagel benötigt der Schmied 25 Hammerschläge. Wenn er seine meist große Familie ernähren will, dann muss er in fünf Tagen 12500 Nägel herstellen, und sie am sechsten Tag an Händler in den großen Städten Frankfurt und Wiesbaden verkaufen.

1882

Hansjörg Ungeheuer

Zweiter Feldbergwirt Hansjörg Ungeheuer

Johann Georg Daniel Ungeheuer (1844 - 1898), genannt Feldberg - Johann, Rufname Hansjörg, und seine Ehefrau (seit 1872) Agnes, geb. Waldschmitt (1851 - 1900) aus Oberreifenberg übernehmen das ´Alte Feldberghaus` aus den Händen von Johann Anton Ungeheuer, der aber das Haus Ungeheuer (heute Haus Reifenberg) in Oberreifenberg weiterführt.

1882

Der Taunusklub errichtet Schüler-, Studenten- und Lehrlingsherbergen im Taunus.

1893

wird das 25jährige Bestehen des Taunusklubs gefeiert. Das Feldberghaus ist mit bunten Fahnen und Tannengrün geschmückt.

1894

schreibt August Knyrim, der Nachfolger Ravensteins als Taunusklubvorsitzender, dass sich stets am 1. Jan. Naturfreunde treffen, die gemeinsam mit dem Zug nach Cronberg fahren und dann über Falkenstein und dem Fuchstanz zu dem auf dem Gipfel des Feldbergs hausenden "Ungeheuer" wandern. Gemeint ist der Feldbergwirt gleichen Namens. Er wird im Gästebuch immer wieder genannt:

Wenn in der Vorzeit alle Ungeheuer,
Die einst auf Raub in diesen Wäldern schlichen,
Hier unser'm Johann Ungeheuer glichen,
In dessen Höhle gut und gar nicht teuer man lebt,
dann muss doch wohl in unsern Tagen,
Wahrhaftig jeder schmerzlich es beklagen,
Dass uns von allen jenen Schreckgestalten,
Dies eine Exemplar nur blieb erhalten.
Aus Helmut Bodes Das Feldberg-Buch

1894

darf erstmals eine Frau die meisten Taunusklub-Touren mitwandern.

1895

wird das ´Neue Feldberghaus`, Inh. Friedrich Sturm, Niederreifenberg, eingeweiht.

Das Neue Feldberghaus

1896/97

baut Philipp Gutacker das dritte Feldberghaus ´Walküre`, Besitzer ist Jakob Ungeheuer aus Niederreifenberg.

Jacob Ungeheuer nennt sein Haus Walkuere

22.9.1898

Der Wirt des ´Alten Feldberghauses` Johann Georg Daniel Ungeheuer stirbt auf dem Großen Feldberg. Zu den Hinterbliebenen gehören 6 Töchter und 4 Söhne.

1898

Hier unkommentiert der Besuch des Prinzen von Wales, dem Sohn von Queen Victoria und späteren König Edward VII (1901-1910) im ´Alten Feldberghaus`. Es handelt sich um den selben Prinzen, der in Homburg einen Hut für sich entdeckte und anfertigen ließ, der dann unter dem Namen Homburger bekannt wurde:

Aus Touristische Mittheilungen von Dr. Wilhelm Christian Lange/Cassel/Jahrgang 1897/98, gefunden von Susanne Eckermann.

1900

Aus dem Ravensteinschen Taunusführer von 1900
Aus Ravenstein Taunusführer 1900

1901

Unter dem Taunusklub-Präsidenten Peter Kittel kommt es zur Grundsteinlegung für den Bau eines festen Thurmes auf dem Feldberg. Einen Saal, der 150 Ausflüglern Unterkunft bietet, und eine Türmer-Wohnung sollen darin eingerichtet werden. Die Klub-Mitglieder hatten dafür jahrelang Spenden gesammelt. Architekt ist Adolf Haenle, Baufirma Holzmann aus Frankfurt.

Oben kurz vor der Einweihung des Feldberg-Aussichtsturms 1902
Rechts die Einweihung 1902
Kreisarchiv Bad Homburg
.

1902

findet bereits die Einweihung des 30m hohen Turmes statt. Festredner sind der Frankfurter Oberbürgermeister Franz Adickes und Peter Kittel.

Kaiser Wilhelm II. ist einer der etwa 10 000 Besucher.

In Büchern und auf Postkarten aus dieser Zeit wird das ´Alte Feldberghaus` meiner Ungeheuer-Vorfahren als ´Absteige-Quartier für hohe und höchste Herrschaften` bezeichnet.

Der Kaiser und seine Familie, aber auch englischer Adel, machten vorzugsweise in Wiesbaden und in Bad Homburg Erholungsurlaub. Wenn die Herrschaften nachmittags mit ihren Kutschen auf dem Großen Feldberg einzukehren gedachten, dann suchten bereits morgens Bedienstete meinen Großvater auf und bestimmten, welche Räume abzusperren seien. Kam der Kaiser selbst, so musste auch ein Terrain um das Haus herum gesperrt werden.

Um die Jahrhundertwende hatte sich ein Fotograf auf dem Feldberg niedergelassen, der viele Besucher fotografierte. Eines Tages war das Feldberghaus wieder einmal abgesperrt. Ein Junge lief über das Plateau, der Fotograf bemerkte ihn, wollte für Ordnung sorgen, und fragte: "Wo willst Du dann hie, Bubsche? Du derfst hier nit dorsch die Absperrung laafe." Die Antwort des Knaben: "Ich will zu meinem Vater." "Un wer is Dein Vadder?" "Na ja, der Kaiser." Und verschwand im ´Alten Feldberghaus` zu seinem Papa, dem Kaiser. (Wilhelm II. hatte sechs Söhne und eine Tochter)

26.5.1902

Die Brüder Jean (1877 - 1952) und Christian Ungeheuer (1881 - 1931) übernehmen das "Alte Feldberghaus". Jean ist in Monaco zum Hotelier ausgebildet worden, Christian hat den Beruf des Küfers erlernt.

Christian Ungeheuer seine Ehefrau Apollonia _geb Schmitt 1983 - 1906 Ida Ungeheuer geb. Koch _2. Frau Christians
Elisabeth Ungeheuer geb- Schmitt und ihr Ehemann Jean Ungeheuer

1904

Martin Pfeifer wird auf einer ´Neckarsulm`, die eine Motorleistung von 2,5 PS hat, mit einem Schnitt von 38 km/h erster Sieger eines Motorradrennens am Großen Feldberg im Taunus. Die Behörden mussten für den Renntag die damals erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 30km/h aufheben.

So sah damals eine ´Neckarsulm` aus
Eine ´Neckarsulm´ von 1907

1907

An der Nord- und Ostseite des ´Alten Feldberghauses` wird eine Terrasse angebaut.

Es gab noch strenge Winter 1907 hat das Haus eine Terrasse erhalten

1907 Feldberghaus im Winter

Aussichtsturm und ´Altes Feldberghaus` - Herbst und Winter

5.4.1910

Kaiser Wilhelm II besucht den Großen Feldberg.

10.9.1910

Die Zarenfamilie beehrt das ´Alte Feldberghaus`.

Das Alte Feldberghaus 1912
Altes Feldberghaus 1912

1913

errichtet der Physikalischen Verein Frankfurt/Main auf dem Kleinen Feldberg/Ts. (826 NN) ein Wetterdienst- und Erdbeben-Observatorium, finanziert aus Spenden Frankfurter Bürger. Einer der ersten Besucher ist Kaiser Wilhelm II.

Seit Gründung der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main im Jahre 1914 ist es eine Außenstelle des Instituts für Meteorologie und Geophysik.

°

Bei einer Bergprüfung für Automobile belegen Fahrzeuge der Firma Adler /Frankfurt die vier ersten Plätze.

°

Und, ganz wichtig, es wird ein Wasserwerk gebaut, das den Großen und den Kleinen Feldberg versorgt.

Idylle

In Harmonie: die drei Feldberghäuser, aber dann...

1914-18

Erster Weltkrieg. Von den 70 Millionen kämpfenden Soldaten sahen 17 Millionen nicht mehr ihre Heimat.

Am 20.12.1918

besetzt französisches Militär das Feldberg-Plateau, es darf von Deutschen nicht mehr ohne Genehmigung betreten werden. Am selben Tag wird auch Reifenberg besetzt.

An Stelle der Feldbergfeste finden in Homburg und Mainz-Kastel Ersatzveranstaltungen statt. Ab 1922 dürfen erstmals auch Frauen an den Spielen teilnehmen.

1920

Am 31. Oktober finden die ersten Feldbergrennen für Automobile und Motorräder nach dem Ersten Weltkrieg statt. In den 20er Jahren auf der Strecke Hohe Mark - Sandplacken, in den 30ern dann von der Hohe Mark zum Feldberg-Gipfel. Den Siegern dieser Rennen ist in den Statistiken gebührend viel Platz gewidmet. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nur die Leistungen der Siegerinnen würdigen.

Niemals mehr gibt es so viele erfolgreiche Berufsrennfahrerinnen wie in den 20er Jahren. Hier die Klassensiegerinnen bei den Feldbergrennen:

1922 Gretel Kalinowski/im Seitenwagen ihres Mannes Hugo Kalinowski
1925 Friedel Wessinger/Seitenwagen-Kl./Wanderer,
1927 Lore Keller/Seitenwagen-Klasse/FN,
1927 Liliane Röhrs/Adler,
1927 Änne Wiest/Hanomag,
Zweitplatzierte Frauen:
1922 Ines Folville/Steiger,
1927 Gräfin von Einsiedel/Steyr
1927 Ines Folville/Amilcar
Gut platziert auch Franziska Lüning 1927,
die Selve-Fahrerinnen Merk und Ludwig 1922,
Erna Glöckler und Else Bull, beide 1927.
Auch auf anderen Rennstrecken sind in den 20ern Frauen sehr erfolgreich.

Vor dem Aussichtsturm Steiger-Werksfahrerin Ines Folville
Steiger-Werksfahrerin Ines Folville vor
dem Aussichtsturm des Großen Feldbergs
Mit freundlicher Genehmigung von Michael Schick www.steiger-burgrieden.de

Dieser Frauenemanzipation nach dem Ersten Weltkrieg beschränkt sich nicht nur auf schnelles Auto- oder Motorradfahren, sondern auf fast alle Lebensbereiche. Besonders in der Mode zeigt sich das neue weibliche Lebensgefühl. Kurze Haare, kurze Röcke oder Hosen, Glockenhüte, Modeschmuck und Lippenstift. New-Orleans-Jazz und Charleston. Viele Frauen verdienen jetzt ihr eigenes Geld. Sie trieben Sport: Tennis, Eislauf, Ski, Motorsport. Das bringt ihnen Selbstvertrauen. Frauen dürfen in Deutschland seit 1918 wählen.

Die Nazis bereiten der Frauenemanzipation ein jähes Ende. Das passive Wahlrecht wird ihnen von Adolf Hitler 1933 wieder entzogen.

Hier ein Artikel von 1936 aus dem Usinger Anzeiger:

Usinger Anzeiger 1936

Usinger Anzeiger vom 25.3.1936 im Hochtaunus-Archiv

Nach dem Ausscheiden seines Bruders Jean, verkauft Christian Ungeheuer das ´Alte Feldberghaus` an Herrn Plade und dieser an Carl August Hahn aus Kronberg. Auch Jakob Ungeheuer (*13.3.1871), verkauft 1921 sein Feldberg-Gasthaus ´Walküre`. Neuer Besitzer: Karl Geis, Königstein. Jakob Ungeheuer eröffnet ein Gasthaus in Niederreifenberg und ist dort ab 1924 Bürgermeister.

1922

Das Feldberg-Plateau zu Zeiten franzoesischer Besatzung
Sieben Jahre war das Feldberg-Plateau nach dem
Ersten Weltkrieg von den Franzosen besetzt

1924

Erlaubnisschein der Besatzungsmacht
Mit der freundlichen Erlaubnis von Elmar Ickstadt/Mainz

Die französische Besatzungskommission setzt Herrmann Kowald/Oberreifenberg als Förster und Hegemeister des Feldberg-Forstreviers ein. In seiner Amtszeit werden der nach dem jüngeren Bruder Kaiser Wilhelms II benannten Prinz-Heinrich-Weg vom Roten Kreuz zum Großen Feldberg, als auch der Weg vom Sandplacken zum Großen Feldberg zu Straßen ausgebaut. Auch der Bau der "Großen Feldberg-Sprungschanze" am Nordwesthang fällt in seine Amtszeit.

Hegemeister Kowalt mit weissem Bart im Alten Feldberghaus

Im Alten Feldberghaus
mit freundlicher Genehmigung von Elmar Ickstadt

1926

60 Jahre Taunusklub.

Taunusklub Oberreifenberg
Taunusklub Oberreifenberg

Am 10.9.1926

treten die Verträge von Locarno in Kraft. Deutschland wird wieder Mitglied des Völkerbundes, die französischen Truppen heben die Sperre des Feldberg-Plateaus auf, ziehen aber erst am 30.6.1930 ab.

Am 18.9.1926

besuchen Komponist Paul Zilcher (1855-1943) und seine Frau Emmy das ´Alte Feldberghaus`. Paul Zilcher schenkt uns im Gästebuch ein ´Moderato`. Ob das schon einmal gespielt wurde?

Ob das schon mal gespielt wurde?
Foto von 1926
Großer Feldberg im Taunus 1926

1927

25 Jahre Feldberg Aussichtsturm.

1927 besitzt Carl August Hahn alle drei Feldberg-Gasthäuser, von denen er aber nur noch das ´Alte Feldberghaus` bewirtschaftet. Offenbar haben die 7-jährige Beschlagnahme des Feldberg-Plateaus durch die französischen Truppen und die Wirtschaftskrise ein Bewirtschaften von drei Häusern unrentabel gemacht. Da die Gasthäuser ´Walküre` und ´Neues Feldberghaus Sturm` auf dem Boden der Gemeinde Niederreifenberg stehen, fordert die Gemeinde die Rückgabe der Häuser und Grundstücke, um sie vor dem Verfall zu bewahren.

1928

1928 ist die Jazzband "Weintraubs Syncopators" mit Franz Wachsmann, Kurt Kaiser, Paul Aronovici, Horst Graff, Ansco Bruinier und Stefan Weintraub im ´Alten Feldberghaus`. Die damals weltweit bekannteste deutsche Jazzband ist in 20 Spielfilmen zu sehen, u. a. in "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich. Als die Musiker 1933 als "Nichtarier" Spielverbot erhalten, wandern sie nach Australien aus. Es ist schicksalhaft, dass sie dort bald als "feindliche Ausländer" ebenfalls Spielverbot erhalten und sogar für über ein Jahr interniert werden. Beschämend ist dabei die Rolle der Musiker-Gewerkschaft. Stefan Weintraub ist gezwungen, als Mechaniker zu arbeiten.

Jörg Süßenbach und Klaus Sander drehen 2000 einen Film über das Schicksal der Band. Mit dem NS-Regime geht in Deutschland in allen Bereichen der Kunst eine Blütezeit zu Ende. Bis heute, 2010, ist der Rückstand, in den Deutschland dadurch geraten ist, nicht ganz aufgeholt. Gleiches gilt auch für fast alle Wissenschaftszweige, was mich angesichts einer Statistik aus dem Jahre 1905, die besagt, dass damals, getrennt nach Religionen, 5% der katholischen Schüler, 7% der evangelischen Schüler und 70%! der jüdischen Schüler das Abitur gemacht haben, nicht wundert.

Die Vernichtung der europäischen Juden ist eine Hypothek, die wir zu tragen haben und die auch nicht von der Zeit getilgt werden kann.

Die bekannteste deutsche Jazzband der 20er Jahre
Die Weintraubs Syncopators im Alten Feldberghaus
Mit freundlicher Genehmigung des Hochtaunusarchiv Bad Homburg

1929

musss Herr Hahn die beiden ungenutzten Gasthäuser an die Gemeinde Niederreifenberg zurückgeben. Das Haus Sturm wird gründlich renoviert und

30.6.1930

Die französischen Truppen, die zum Brückenkopf Mainz gehören, verlassen das Feldberggebiet. 40 000 Menschen feiern an diesem Tag auf dem Gipfel des Großen Feldbergs, 2000 Auto finden kaum Parkplätze. Bürgermeister Ungeheuer/Niederreifenberg hisst die Reichsfahne auf dem Aussichtsturm.

1931

an Erich Berndt verpachtet. Bewirtschaftet wird es jedoch von Johann Herr aus Niederreifenberg. Das Haus erhält einen neuen Namen: Hotel und Restaurant ´Feldberghof`.

Renoviertes Haus Sturm
Männer
V. l. n. r.: Erich Berndt _X _X _Jacob Ungeheuer (ab 1924 Bürgermeister von Niederreifenberg)

_Johann Herr _vorn Anton _Adam und Wilhelm Herr,
beide Fotos von Susanne Eckermann _Adam Herr ist ihr Großvater.

Zwischen 1927 und 1936 gewinnt die Norwegerin Sonja Henie zehn Weltmeistertitel im Eiskunstlauf. Sie macht diesen Sport auch in Deutschland so populär, dass man 1931 die ´Brunhildis`- Eiskunstlaufbahn auf dem Feldberg-Plateau erbaut.

Am 26. und 27. Juni landen Eugen Stein und Ludwig Kelting mit der Ju D373 und dem Doppeldecker D1936 der Firma Max Gerner auf dem Feldberg-Gipfel. Laut Wikipedia gibt es zwischen 1907 und 1945 28 Flugzeugbauer und Zulieferer im Raum Frankfurt, einer davon ist Max Gerner (1900-1977).

Eugen Stein mit der JU
Ludwig Kelting landet mir der Gerner
Zwei mutige Piloten, Eugen Stein und Ludwig Kelting, landen auf dem Feldberg.
Gefunden im Hochtaunusarchiv Bad Homburg

Am 21. August 1932

erprobt der Pilot Willi Liebeskind aus Frankfurt das Feldberg-Plateau erfolgreich als neues Segelfluggelände. Es gelingt ihm ein erster Start und eine gute Landung. In einer Zeichnung wird dieses Ereignis im Gästebuch Hahn des ´Alten Feldberghauses` festgehalten.

Jemand zeichnete dieses Ereignis
Fritz Liebeskind landet im August 1932 mit
einem Segelflieger auf dem Feldberg-Plateau.
Aus dem Hochtaunusarchiv Bad Homburg

Die Gemeinde Niederreifenberg ersteigert das ´Alte Feldberghaus`. Ab 1932 befinden sich nun alle drei Feldberghäuser im Besitz Niederreifenbergs.

Ende 1932 erhält der Aussichtsturm eine Flugsicherungslampe

Ende 1932 ist der Aussichtsturm ohne Adler,
aber mit einer Flugsicherungslampe ausgestattet.
Hochtaunusarchiv Bad Homburg

1933

"Gleichschaltung" des Taunus-Klubs mit nationalsozialistischen Wandervereinen zum "Taunus-Bund". So genannte ´Nichtarier` und Kommunisten sollen aus den Vereinen ´entfernt` werden. Der Vorsitzende einer jeden örtlichen Abteilung des "Taunus-Bundes" soll Mitglied der NSDAP sein.

1935

Mit Gewehr Revierförster Hermann Kowald
35 Männer waren beim Straßenbau Sandplacken - Feldberg beschäftigt.
Mit freundlicher Genehmigung von Elmar Ickstadt

1936

Erstmals können die Teilnehmer der Feldberg-Bergrennen für Motorräder und Automobile bis zum Gipfel fahren, denn die Schotterstrecke vom Sandplacken zum Feldberg ist 1935 geteert und ausgebaut worden. Die Rennstrecke ab der Hohe Mark ist jetzt 12 km lang. Zu den diesjährigen Siegern gehören: Arthur Geiss DKW 250cm³ und Oskar Steinbach NSU 350cm³. Die Rennen zählen, wie bereits die bisher zwischen Hohe Mark und Sandplacken ausgetragenen Läufe über 8km, zur Deutschen Bergmeisterschaft.

Die Bus-Linie Hohe Mark - Sandplacken - Schmitten bezieht jetzt den Feldberg mit ein.

Bus fährt bis zum Feldberg
Bus-Linie Hohe Mark - Sandplacken - Großer Feldberg - Schmitten
Foto: Hochtaunus-Archiv Bad Homburg

Im Juni trainiert die Olympia-Fechtmannschaft im ´Alten Feldberghaus`. Mit Stefan Rosenbauer, Erwin Casimir, August Heim, Julius Eisenecker und Helene Meyer sind fünf Medaillengewinner dabei, und auch Hedwig Hass, Eugen Geiwitz, Siegfried Lerdon und Olga Ölkers, die alle schon Deutsche Meistertitel gewonnen haben, gehören zur Mannschaft.

Tilly Fleischer, Olympia-Siegerin im Speerwerfen, erholt sich nach der Olympiade auf dem Feldberg und trägt sich in das Gästebuch der Familie Hahn ein.

Deutsche Olympia-Fechter
Olympia-Fechtmannschaft von 1936
Hochtaunusarchiv Bad Homburg

1937

Das ´Alte Feldberghaus` und die ´Walküre` werden abgerissen. Sie müssen einem neuen Fernmeldeturm weichen, von dem aus Fernsehprogramme ausgestrahlt werden sollten.

Architekt ist der Hochschul-Professor Hans Soeder (1891-1962), der seit 1919, also fast von Anfang an, dem Team des von Walter Gropius gegründeten ´Staatlichen Bauhauses` (1919-1933) in Weimar angehört. Soeder hat sich in der Holzbaukunst, über die er auch promoviert hat, einen hervorragenden Namen gemacht.

Für die künstlerische Ausstattung ist Carl Moritz Schreiner (1889-1948, Düsseldorf) verantwortlich.

Der Geburtsort des Fernsehens ist Berlin-Witzleben. Von dort werden bereit 1929 erste Versuchssendungen ausgestrahlt. Die Firmen Telefunken und AEG montieren einen fahrbaren Fernsehsender auf zwölf LKWs und bringen ihn in Hamburg, auf dem Brocken im Harz und auf dem Großen Feldberg im Taunus zum Einsatz.

Fernsehsender auf 12 LKWs
Mobiler Fernsehsender

So werden 1936 vom Feldberg aus schon erste Fernsehbilder ausgestrahlt. Ein volles Fernsehprogramm soll dann von dem neuen Turm aus folgen. Hitlers Angriff auf Polen verhindern jedoch diese Pläne.

Das erste regelmäßige Fernsehprogramm der Welt wird seit dem 22. März 1935 vom Fernsehsender Paul Nipkow/Berlin ausgestrahlt, BBC/London folgt im Oktober. In Deutschland können 1936 bereits 160000 Menschen die Olympischen Spiele am Fernsehschirm verfolgen.

Im Archiv des Hochtaunuskreises in Bad Homburg werden die beiden letzten Gästebücher des ´Alten Feldberghauses` aufbewahrt. Man findet berühmte Namen darin: Die Mitglieder des Jazz-Orchesters "Die Weintraubs Syncopators", Teilnehmer der Olympischen Spiele von 1936 und die bekannte Fliegerin Elly Beinhorn. Auch viele Motorradrennfahrer wie Arthur Geiss, Heiner Fleischmann, Sepp Giggenbach, Otto Kohfink u.a. sind in den Büchern verewigt.

Zeichnung von Fritz Wucherer
Der Fernmeldeturm im Aufbau, eine Zeichnung
von Fritz Wucherer *1873 Basel, †1948 Kronberg.
Mit freundlicher Erlaubnis des Hochtaunusarchivs Bad Homburg

Im Februar wird mit dem Bau des Fernsehturms auf dem Feldberg-Plateau begonnen. Das Richtfest ist bereits im Herbst. Dennoch verhindert der Kriegsbeginn die Fertigstellung des Senders.

Von den drei Gasthäusern bleibt nur der Feldberg-Hof erhalten.

stand nur 7 Jahre
Der Turm von 1937

2.12.1943

rammt ein deutsches zweimotoriges Militärflugzeug Messerschmitt 110, das in Erfurt gestartet war und zum Rhein-Main-Flughafen will, den Aussichtsturm. Der Benzintank explodiert und der Turm brennt aus. Elf Menschen sterben, darunter die sechsköpfige Flugzeugbesatzung, ein Wehrmachtsfunker und die Ehefrau des Turmwärters Sofie Müller. Vergitterte Fenster versperren den Menschen den Weg nach draußen, sie müssen ersticken.

Im April 2017 lässt der Taunusklub Niederreifenberg eine Gedenktafel für Sofie Müller im Flur des Feldberg-Aussichtsturms anbringen.

danach Zur ewigen Erinnerung

In Memoriam

1944

Im Januar wird auf dem Großen Feldberg eine Flak installiert. Die Flakhelfer werden am Schülerheim des Goethe-Gymnasiums bei Oberreifenberg verpflegt. Reste des Mauerwerks, in das eine Gulaschkanone eingebaut wurde, sind heute noch am Schülerheim zu sehen.

Ein deutsches Militärflugzeug stürzt unterhalb des Gipfels, neben dem Fuchstanzweg, zwischen dem Schülerheim des Goethe-Gymnasiums und der Wegekreuzung oberhalb der ´Heimlichen Wiese`, in den Wald. Zwei Insassen kommen mit dem Leben davon, drei Soldaten sterben.

Am 2.3.1945 12h10

donnern mit beängstigendem Getöse neun englische Thunderboldt-Maschinen mit je zwei 1000 kg-Bomben unter den Tragflächen dicht über die Dächer der Taunus-Gemeinde Oberreifenberg hinweg und zerstören Minuten später den großen Fernmeldeturm auf dem Feldberg. 17 Bomben verfehlen ihr Ziel, sie legen aber den Feldberg-Hof und alle umliegenden Gebäude in Schutt und Asche. Die 18. und letzte Bombe trifft. Jedoch ihr eigentliches Ziel, die Störsender, verfehlen die Bomben der Engländer. Den hatte die Wehrmacht 1944 ca. 50 m abseits des großen Turmes installiert.

Zum Zeitpunkt des Angriffs befinden weit über 100 Menschen auf dem Plateau. Keiner wird verletzt. Selbst Heribert Grambusch, der im 10. Stock des Turmes als Funker arbeitet und seine Kollegen in den Stockwerken darunter erreichen rechtzeitig die Luftschutzräume.

Man erzählt, eine der englischen Maschinen habe vor der eigentlichen Attacke den Turm umflogen, um den Menschen Zeit zur Flucht zu geben.

Der Berggipfel bietet nach dem Angriff einen
trostlosen Anblick. Das Foto ist von Walter Elkins Florida

27/28.März 1945

600 jugendliche Offiziersanwärter aus Weilburg und eine SS-Einheit der Norddivision haben sich in Schmitten verschanzt und bringen 89 amerikanischen Soldaten den Tod. 18 Deutsche sterben. Ende Juli liegen noch immer 2 US-Panzer und einige andere US-Militärfahrzeuge im Weiltal.

29.März 1945

Panzer der US-Army rattern ohne einen Schuss abzugeben durch Oberreifenberg. Ein Mann hatte sich mitweißer Fahne schützend vor das Dorf gestellt.

Am 30.März 1945 (Oster-Samstag)

werden die ersten Häuser in Oberreifenberg beschlagnahmt. (Haus Martha, Haus Reifenberg).Amerikaner besetzen den Großen Feldberg.

4.April 1945

Drei Wochen lang, bis zum 25. April, werden im ´Haus Reifenberg` und im ´Haus Martha` englische Piloten einquartiert, darunter offenbar auch jener, der die 18. Bombe warf.

Einer der Offiziere, die im Haus Martha einquartiert ist, berichtet: "Wir waren schon einmal hier und sahen euch in euren Liegestühlen ruhen und dachten, da müssen wir unbedingt unseren nächsten Urlaub verbringen."

Schwarzer, englischer Humor!

19.9.1945

Die amerikanische Militärregierung vereinigt die ehemaligen preußischen Provinzen Kurhessen und Nassau sowie den Volksstaat Hessen-Darmstadt zum Land Großhessen. Der Name wurde am 1.12.1946 in Hessen umbenannt. Der Große Feldberg ist somit hessisch.

1946

trostlos
Das Plateau des höchsten Berges des Rheinischen
Schiefergebirges sieht noch trostlos aus. Hochtaunus-Archiv

1947

Wiederaufbau des Feldberghofes
Der Feldberghof wird wieder aufgebaut. Archiv Susanne Eckermann

In der Zeit des ´Kalten Krieges` betrieb die US-Armee eine Abhöreinrichtung auf dem Großen Feldberg gegen ostdeutschen und sowjetischen Funkverkehr. Als jahrelang jeweils 14 Tage im Jahr Funkverbindungen auch aus dem östlichen Russland empfangen werden konnten, glaubte man zunächst an eine Naturbesonderheit. Man stellte jedoch fest, dass zu dem jeweiligen Zeitpunkt ein Riesenrad auf einem Festplatz stand, das entfernte Signale reflektierte. Gegen Bezahlung ließ der Besitzer sein Riesenrades in den folgenden Jahren längere Zeit auf dem Festplatz stehen. Zur Zeit der Berlin-Blockade von Juni 1948 bis Mai 1949 waren übrigens im nahen ´Haus Siegfried` Rosinenbomberpiloten einquartiert.

Der Landesverband Bergwacht Hessen wird 1947 gegründet und schließt sich zwölf Jahre später der Bergwacht Hessen des Deutschen Roten Kreuz an.

An Wochenende stehen hier Rettungsfahrzeuge
Im Winter besonders wichtig

Anton Meister Anton Meister
1948 Kleiner Feldberg: ´Wettermacher` Anton Meister bei seiner Arbeit

1949

lässt der Hessische Rundfunk den Aussichtsturm unter der Vorgabe, dass dieser auch als Antennenträger zur Abstrahlung des UKW-Programms dienen darf, von der Firma Holzmann wieder aufbauen.

1950

Richtfest am 20.10.1950

Am 20. Oktober ist Richtfest. Verlag Ernst und Sohn Berlin 1954

Auch das Feldbergfest findet erstmals nach dem Krieg wieder auf dem Feldberg-Plateau statt.

Für die Deutsche Post beginnt Holzmann ab Mai 1950 mit den Bauarbeiten am großen Fernsehturm. Zur besseren Abstrahlung der Programme sind jetzt die oberen 10 Stockwerke aus Holz.

Aus Holz, zur besseren Abstrahlung der Fensehbilder
Der Holzturm. _Foto Susanne Eckermann Niederreifenberg

2.10.1950

Das erste Feldbergrennen nach dem Krieg für Motorräder, Sport- und Rennwagen wird ausgetragen. Ab 1951 gehören die Rennen zur Deutschen Straßen-Meisterschaft. Es sind nur noch Motorräder zugelassen, weil Rennwagen auf der schmalen Strecke kaum überholen können. Zu den Siegern gehören die Welt- und Europameister: Schorsch Meier, Noll / Cron, Werner Haas, H.P. Müller und Ewald Kluge. Mehr unter: www.feldbergrennen.de

Ab Nov. 1951

geht ein Fernseh-Versuchssender in Betrieb und am 1. Weihnachtstag 1952 wird erstmals ein Fernsehprogramm ausgestrahlt. (Ab 1983 wird kein Bedienungspersonal mehr nötig sein, denn gesteuert werden die digitalen Geräte vom Frankfurter Fernsehturm aus).

Was 1929, beziehungsweise 1936, in Deutschland begonnen wurde, kann jetzt fortgesetzt werden.

1952

Franz Bradler vom SCT Frankfurt, der 1954 bei den Deutschen Alpine-Ski-Meisterschaften Flachlandmeister in der Dreierkombination wird, stellt auf der "Großen Feldberg-Sprungschanze" mit 40m einen neuen Rekord auf.

1952 Neue Presse

Frankfurter Neue Presse 1952

In den Wintern der 50er Jahre gibt es im Taunus noch reichlich Schnee. Auf dem Nordwest-Abhang des Feldbergs, dem "Siegfriedschuss" und der "Heimlichen Wiese", werden sogar Bezirks- und Hessische Meisterschaften ausgetragen. Einen Lift gibt es nur auf der "Heimlichen Wiese", nicht aber am "Siegfriedschuss". An Schnee-Sonntagen werden Busse eingesetzt, die die Sportler nach einer Abfahrt bis zum Gasthaus "Weilquelle" in Niederreifenberg wieder zum Feldberggipfel bringen.

1953

Winter 1953 in Oberreifenberg
Winter 1953 in Oberreifenberg _Foto Ursula Großmann Oberreifenberg

1953

Der Heimatforscher Carl Beuth (1879-1953)
stirbt in Oberreifenberg.
Carl Beuth

1955

Erb/Jordan gewinnen die Deutsche Juniorenmeisterschaft im Zweierbob auf der von Philipp Schneikert erbauten neuen Bobbahn zwischen Feldberg und dem Schülerheim des Goethe-Gymnasiums bei Oberreifenberg.

1956

Hans Rösch wird auf der Feldberg-Bobbahn Deutscher Viererbob-Meister vor Franz Schelle. Feldbergpokal-Gewinner wird Olympia-Sieger Anderl Ostler im 2er-Bob.

Impression am Aussichtsturm Anfang der 60er Jahre.
Archiv Susanne Eckermann

1963

Ab 1. April 1963 gibt es vom Großen Feldberg aus ein zweites Fernsehprogramm, das ZDF.

1964

Ab 6. Oktober wird vom Fernsehturm des Großen Feldbergs das 3. Hessische Fernsehprogramm ausgestrahlt.

1965

wird auf dem Großen Feldberg eine Falknerei eröffnet. Mittlerweile ist sie die älteste in Hessen. Zu sehen sind verschiedene Falkenarten, Habichte, Bussarde, Rotmilane, Geier, diverse Eulenarten, darunter 5 Uhus. Bei gutem Wetter kann man Adler frei fliegen sehen.

1968

100 Jahre Taunusklub, mit dankbarem Gedenken an August Ravenstein.

1970

Ein Liftbetreiber legt die Nordabfahrt mit Kunststoff-Noppenmatten aus und ermöglicht sommerliche Skiabfahrten vom Großen Feldberg bis zur Siegfriedstraße, die längste Kunststoffpiste der Welt. Die Eröffnung nimmt der hessische Minister Horst Schmitt am 11.11. 1972 vor.

Leider gehen aber Stürze auf den viel zu harten Matten nicht ohne Verletzungen ab. Knochenbrüche, Prellungen, Verbrennungen sind die Folge. Eine junge Dame wagt eine Abfahrt im Bikini, stürzt, ihr ganzer Körper ist voller Schürfwunden.

Die einzige Sommer-Skiabfahrt Deutschlands scheitert an ihrer Gefährlichkeit. Auch die Kunststoffmatten sind nicht sehr haltbar und zerbröseln nach einigen Jahren völlig. Heute hat sich die Natur von dem Kunststoffangriff erholt. Sogar Heidekraut wächst dort wieder im August.

1988

ist dann nach einem Brand des Schleppliftes auch das Ende des Winterbetrieb der Nordbahn besiegelt.

1994

Das Feldbergfest besteht jetzt 150 Jahre.

1996

Das letzte der drei im 19ten Jahrhundert erbauten Feldberghäuser, das Haus Sturm, wird abgerissen.

1998

Der Physikalische Verein Frankfurt am Main errichtet eine Sternwarte auf dem Kleinen Feldberg. Sie trägt den Namen des langjährigen Vorsitzenden des Vereins Hans Ludwig Neumann.

2001

Das Hotel und Restaurant ´Feldberghof` wird eingeweiht. Seit 2005 gehört er dem ´Zweckverband Feldberghof`, zu dem sich der Hochtaunuskreis und die Gemeinde Schmitten zusammengeschlossen haben. Pächter ist die Binding-Brauerei Frankfurt/Main.

Ein Raum des neuen Gebäudes ist eine Außenstelle des Standesamtes Schmitten/Ts. Freitag ist Trautag.

2001 eingeweiht
Das neue Feldberghaus

2002

Es ist der Feldberg im Taunus, auf dessen Gipfel der Herr seinem Knecht Robert Gernhardt erscheint, um ihm das 11. Gebot zu offenbaren, das zu Lebzeiten des Gottesknechtes Moses auf den Steintafeln keinen Platz mehr fand. Es lautet:

Du sollst nicht lärmen.

Zur Zeit der Geschehnisse auf dem Berge Sinai fehlte auch noch die dringende Erfordernis für dieses 11. Gebot, denn Hubschrauber, Laubbläser, Kehrmaschinen, Handys, Rasenmäher und Busse der Stadt Frankfurt am Main waren noch nicht erfunden, man kannte noch keine Pressluft und hämmernde Autoradios.

Aus: In Zungen reden S. Fischer Verlag

März 2005

Der Limes (s. unter 200 n. Chr.) wird von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

März 2006

findet das Feldberg-Fest zum 150. Male statt. Susanne Eckermann/Niederreifenberg bringt aus diesem Anlass eine geschichtliche Aufarbeitung darüber heraus. Wer also wissen möchte, warum das Fest einige Male ausfiel und warum es manchmal auf der Stiertädter Heide oder in Frankfurt-Höchst oder sonst wo stattfand, der besorge sich hier das 80 Seiten starke Heft über die Geschichte des Feldberg-Turnfestes: fam.eckermann@t-online.de.

März 2007

Obwohl der Fernmeldeturm mittlerweile unter Denkmalschutz steht, wird die 15m hohe, nutzlos gewordene Fernsehantenne von dem 53m hohen Turm abmontiert. 26 Fernsehsender strahlen ihre Programme vollständig von dem hohen Stahlrohrmast des Hessischen Rundfunks in die Welt.

Mehr darüber in Der Taunus von Eugen Ernst.

Alles Ungeheuer
2007 Ungeheuer-Nachfahren im Archiv

März 2009

Die Roemer sind wieder da.
Seit September 2009 stehen wieder drei roemische Wachtuerme
auf dem Feldberg. Ein Foto von Susanne Eckermann

März 2011

Auf den kleinen Bruder des Großen Feldbergs, dem Kleinen Feldberg, haben sich im September 70 Wissenschaftler aus ganz Europa, China, Pakistan, den USA und Kanada unter der Leitung Dr. John Crowley vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz eingefunden, um die Zusammensetzung der Luft im Taunus zu erforschen. Sie wollen herausfinden, wie gut die Atmosphäre in Ballungsgebieten Schadstoffe aus eigener Kraft reinigen kann. Dazu haben sie zusätzlich zu den im dortigen Taunus-Observatorium bereits vorhandenen Analysegeräte noch ca. 50 weitere mitgebracht.

Es wird allerdings etwa zwei Jahre dauern, bis die Messergebnisse wissenschaftlich ausgewertet sein werden.

Luftaufnahme vom 9.11.2014
Der Kleine Feldberg von oben
aufgenommen von Susanne Eckermann

Am 15.11.2011

wurde auf dem Großen Feldberg ein Gipfelkreuz aufgestellt, am 20.11. hat es Pfarrer Hanns-Jörg Meiller geweiht. Das Kreuz, 3,50m hoch und 2,70m breit, besteht aus Eisen, ist verzinkt und leuchtet deshalb in der Sonne. Das Zentrum bildet ein Taunus-Quarzit.

Das neue Gipfelkreuz am 15.11.
Das Feldberg-Gipfelkreuz wurde am 15.11.2011 aufgestellt.
Foto: Susanne Eckermann

2013

Am 28. September veranstaltet der ´Physikalische Verein Frankfurt` einen Tag der offenen Tür im Taunus Observatorium Kleiner Feldberg. Anlass ist das 100-jährige Bestehen des Observatoriums. Interessierte erhalten an diesem Tag Einblicke über die Forschungstätigkeiten in den Fachgebieten Erdbeben, Klima und Wetterdienst.

9.11.2014

Großer Feldberg von oben
Der Windparks Weilrod im Hintergrund.
Im Hubschrauber aufgenommen von Susanne Eckermann

Aufnahmen von 2016

Die Burg Reifenberg ist zu erkennen
2016 Blick vom Brunhildisfelsen in die Ferne
Oberreifenberg
2016 Oberreifenberg vom Feldberg aus
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1. April 2017

Der 1965 gegründete Feldberg-Falkenhof hat einen neuen Betreiber: Christian Wick.
Öffnungszeiten : Vom 1. April bis zum 31. Oktober täglich von 10-18h.

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Literatur: Helmut Bode, Das Feldberg-Buch, Verlag Waldemar Kramer
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